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Gaming-Stück „Dark Matter“ feierte Premiere am Theater im Fridericianum

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Von: Leonie Krzistetzko

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Junge Frau sitzt vor einem Spiegel, die Hände in die Höhe gestreckt. Das ist das Missionskontrollzentrum „Houston“: Gastschauspielerin Sarah Zelt im neuen Theaterstück „Dark Matter“ des Jungen Staatstheaters Kassel
Spielte das Missionskontrollzentrum „Houston“: Gastschauspielerin Sarah Zelt im neuen Theaterstück „Dark Matter“ des Jungen Staatstheaters Kassel, das am Sonntagabend Premiere feierte. Entschieden, welche Szenen gezeigt werden, wird hier im Buzzer-Prinzip. ©  Bettina Stöß

„Dark Matter“ ist ein immersives Stück, bei dem die Zuschauer selbst entscheiden, was sie sehen möchten.

Drei Gruppen, zwei Möglichkeiten und eine finale Entscheidung: Das Gaming-Stück „Dark Matter/Dunkle Materie“ des Jungen Staatstheaters Kassel (Regie: Anna Malena Große, Text: Kathrin K. Liess) feierte am Sonntagabend seine Uraufführung und machte die Zuschauer zu Regisseuren. Der Plot: Ein Satellit stürzt ab, es bleiben nur 50 Minuten, um bestimmte Daten darauf zu sichern. Alles andere wird gelöscht.

Durch den Entscheidungsprozess leitete „Houston“, das Missionskontrollzentrum der Nasa, am Sonntagabend gelungen verkörpert durch Gastschauspielerin Sarah Zelt, die ihre Rolle eindrucksvoll und an vielen Stellen mit einer ordentlichen Prise trockenem Humor spielte.

In einem durch transparente Trennwände abgesonderten Bereich thronte sie zwischen den Zuschauern und erklärte ihnen das Prozedere: Das Publikum würde in drei Gruppen eingeteilt, in denen je vier Missionsleiter die Abstimmungen dirigieren und schließlich die Ergebnisse mit Buzzern einloggen sollten. Abgestimmt würde darüber, welcher Datensatz auf dem Satelliten angesehen werden solle, wobei der Datensatz gewinne, der die Mehrheit aller Gruppen bekomme. Gezeigt würden dabei „Geschichten von Menschen, die nicht gehört werden – die zu wenig gehört werden“.

Diese Wahlen machten einen Reiz von „Dark Matter“ aus – die Zuschauer wurden Teil des Stücks, die Themen zu ihren Themen, da sie sich bewusst spielerisch für sie entschieden haben. Und das war wichtig: Denn das Stück handelt von Weltraumforschung, beispielsweise von Astronautinnen und Astrophysikerinnen. Ein Thema, das auch schnell trocken und überfordernd wirken könnte. Dadurch, dass die als Datensätze bezeichneten Szenen und ihre Geschichten innerhalb des Stücks in kleine Häppchen aufgeteilt wurden, waren sie jedoch gut zu verdauen – was auch an den Themen liegen mag, die das Publikum am Premierensonntag auswählte. Schließlich könnte jedes Publikum tendenziell ein komplett anderes Stück sehen, je nachdem, welche Szenen es wählt.

Gespielt wurden diese von Jana Auburger, Emilia Reichenbach und Christina Weiser – allesamt uniformiert in blauen Hosen, mit weißen Oberhemden und plakativen orangefarbenen Corsagen. Sie sprachen Themen wie die Verschmutzung des Weltraums an und zeigten „nie gehörte“ Funksignale, die beispielsweise die Probleme von Frauen in der Raumfahrt aufgriffen. Diese Perspektiven machten das Stück sehenswert, die Zuschauer erfuhren von Sichtweisen, die sonst keine Bühne bekommen.

Besonderes Highlight: An einer Stelle des Stücks wurde es romantisch – eine Auswahlmöglichkeit zeigte eine Zusammenstellung der „schlimmsten“ Space-Romantisierungen in Filmen, die gekonnt von den Schauspielerinnen nachgespielt wurden und humorvoll ihre Absurdität deutlich machen. Durch solche Einlagen verging das Stück wie im Flug.

Am Ende gab es großen, wohlverdienten Applaus für alle Beteiligten.

Weitere Termine: So., 2. Oktober, So., 9. Oktober, Mo., 10. Oktober. staatstheater-kassel.de

Von Leonie Krzistetzko

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