Ausstellung auf 500 Seiten: Thomas Wiegand und Manfred Heiting zeigen „Deutschland im Fotobuch“

Wie Fotografen unser Land sehen

Thomas Wiegand

Fotobücher sind angesagt. Sammler schätzen sie nicht nur als Liebhaberobjekte, sondern auch als Geldanlage. Nicht wenige Fotobücher erreichen mittlerweile Antiquariatspreise von mehreren Hundert Euro bis hin zu vierstelligen Beträgen.

Zu dieser Marktentwicklung haben seit den 80er-Jahren auch einige Bücher über Fotobücher beigetragen. Meilenstein war „The Photobook - A History“, das der englische Fotograf Martin Parr und der Fotohistoriker Gerry Badger in zwei Bänden 2004 und 2006 herausgaben. „The Photobook“ und andere versuchen einerseits einen Überblick zu vermitteln, tragen gewollt oder ungewollt zur Kanonbildung bei, dienen als Kaufhilfe und befördern die Preisentwicklung nach oben.

Übrigens hat auch das international hoch angesehene Kasseler Fotobuchfestival dem Medium als Sammlungs-, Kunst- und Forschungsobjekt Aufmerksamkeit über die Fachwelt hinaus beschert. Kaum verwunderlich, dass Thomas Wiegand, in Kassel lebender Fotograf, Kunsthistoriker und Mitbegründer des Festivals, nach jahrelanger Arbeit mit „Deutschland im Fotobuch“ ebenfalls an dieses Interesse anknüpft. Der opulente Band ist gerade beim Göttinger Verlag Steidl erschienen, herausgegeben wird er vom Fotobuchsammler und -experten Manfred Heiting, der es auch exzellent gestaltet hat.

Bei „Deutschland im Fotobuch“ geht es nicht um in Deutschland erschienene Fotobücher, sondern um eine prägnante Auswahl an Fotobüchern, die Deutschland thematisieren. 287 Beispiele aus der Zeit von 1915 bis 2009 haben Wiegand und Heiting ausgewählt und elf treffenden Überschriften zugeordnet, etwa „Landschaften“, „Arbeit“, „Menschen“ oder „Typisch“. Jedes Buch wird auf einer Einzel- oder Doppelseite mit mehreren, vielfach großformatigen Abbildungen vorgestellt. Die Besonderheiten werden jeweils herausgearbeitet und schlüssig begründet. Hinzu kommen genaue bibliografische Angaben.

Was ist aber ein „gutes Fotobuch“? Wiegand nennt als Kriterien unter anderem „Innovativer Charakter“, „Zusammenspiel von Bildern und Texten“, „Historische Bedeutung“, „Druck und Ausstattung“.

Visuelles Kunststück

Heiting und Wiegand verstehen ihr Werk mit seinen rund 1000 Abbildungen als „Ausstellung zwischen Buchdeckeln“. Tatsächlich gelingt ihnen mit „Deutschland im Fotobuch“ ein visuelles Kunst-Stück: Es erfüllt selbst aufs Beste die Kriterien an ein in sich schlüssiges Fotobuch, nämlich im Sinne eines perfekten Zusammenspiels von gelungenem Layout, schöner und lesbarer Typografie und textlich hoher Qualität. Ganz nebenbei ist es auch eine Art Bilderbuch zur deutschen Geschichte. Es wird nicht das letzte Buch über Fotobücher bleiben. Weitere wurden bereits angekündigt. Aber „Deutschland im Fotobuch“ dürfte Maßstäbe setzen.

Thomas Wiegand, Manfred Heiting: Deutschland im Fotobuch. Steidl, 492 Seiten, ca. 1000 Abbildungen, Großformat, 75 Euro. Wertung: !!!!!

Von Andreas Gebhardt

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