Neu im Kino: Kinder als Ersatzteillager - Der Science-Fiction-Film „Alles, was wir geben mussten“ mit Keira Knightley

Die Frage, was uns als Menschen ausmacht

Rätselhafte Existenz: Ruth (Keira Knightley) zählt zu den Jugendlichen, die eine grausame Wahrheit aufdecken. Foto: 20. Century Fox

Die Zukunft ist schon vergangen in Mark Roma-neks Science-Fiction-Film „Alles, was wir geben mussten“. Sie ist im letzten Jahrhundert angesiedelt, wo ein - wie man zu Beginn des Filmes erfährt - medizinischer Durchbruch die durchschnittliche Lebenserwartung auf über 100 Jahre ansteigen ließ.

Im nostalgisch anmutenden Internat „Hailsham“ wachsen die Kinder unter einem ebenso strengen wie fürsorglichen Regime heran. Auf ihre Gesundheit wird genau geachtet. Schließlich seien sie - wie die Direktorin immer wieder betont - etwas Besonderes. Worin diese Besonderheit besteht, erfahren die Jungen und Mädchen nur allmählich. Mit „Alles, was wir geben mussten“ verfilmt Mark Romanek („One Hour Photo“) den Roman des japanisch-britischen Autoren Kazo Ishiguro („Was vom Tage übrig blieb“), der in einer Welt angesiedelt ist, in der geklonte Menschen als Ersatzteillager herangezüchtet werden. Stück für Stück offenbart sich die grausame Wahrheit für die Internatsschüler, aus deren hermetisch geschlossenen Perspektive Roman wie Film auf das begrenzte Leben der künftigen Organspender blicken.

Über 20 Jahre wird die Entwicklung von Kathy (Carey Mulligan), Tommy (Andrew Garfield) und Ruth (Keira Knightley) verfolgt, die im Internat eine manipulierte Weltsicht eingeflößt bekommen, als junge Erwachsene in Wohngemeinschaften untergebracht den Geschmack der Freiheit kosten, bevor sie in den Kliniken ihrer Bestimmung zugeführt werden.

Auch wenn Romanek und sein Drehbuchautor Alex Garland („28 Days Later“/„The Beach“) in der Adaption den allmählichen Erkenntnisprozess der Figuren beschleunigen, bleiben sie nah dran an Ishiguros sensiblen, präzisen und völlig undramatischen Blick auf die Ungeheuerlichkeit.

Hier geht es nicht um ein vordergründiges Plädoyer gegen Gen- und Biotechnik, sondern um viel grundsätzlichere Fragen: Was macht uns als Menschen aus? Was bleibt von uns übrig in einer vollkommen manipulierten Erfahrungswelt? Warum und wie finden wir uns mit dem Unfassbaren ab? Danach forscht „Alles, was wir geben mussten“ mit einer sanften, aber sehr wirksamen Strategie der Verstörung.

Genre: Science-Fiction

Alterfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

Von Martin Schwickert

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