Theater-AG der Jean-Paul-Schule zeigte Büchners „Woyzeck“

Frage nach Wahrheit

Intensives Spiel: Franz Woyzeck (Yorick Tortochaux). Foto:  Schoelzchen

Kassel. „Alles tot. Das Kind ist ganz allein“, sagt Karl (Klaus Schmidt) im „Woyzeck“ zu Marie (Paula Koring). Das Stück der Theater-AG der Jean-Paul-Schule hatte am Freitag erfolgreich Premiere.

Die 16-jährige Waldorfschülerin Koring nimmt an der Theater-AG ebenso teil wie der ehemalige Jean-Paul-Schüler Yorick Tortochaux, der den Titelhelden Woyzeck darstellt. Der 21-Jährige studiert inzwischen Philosophie.

Dass Tortochaux bereits Hauptrollen spielte, war einer der Gründe, warum sich Regisseur Michael Pohlner an das schwierige Schauspiel von Georg Büchner (1813 - 1837) wagte. „Seit sechs Jahren spielen wir abendfüllende Stücke mit den elften Klassen, jetzt haben wir eine Theater-AG gegründet“, berichtet der Deutsch- und Theaterlehrer. Eine interessante Gruppendynamik bescheinigt Co-Regisseur Wolfgang Rauchbach der AG mit zwölf Schülern ab 14 Jahren an der Schule für Erziehungs- und Lernhilfe, die auf Grundlage der Waldorfpädagogik arbeitet. „Die Schüler entdecken einiges von sich selbst und hinterfragen Mechanismen von Verhaltensweisen.“

Woyzeck tut alles, um Marie und das Kind zu ernähren. Der Soldat rasiert den Hauptmann (Karl Lohfink) und steht einem Doktor (Thomas Deutsch) für Experimente zur Verfügung. „Der Mann schnappt noch über mit den Gedanken“, schaudert Marie, bevor sie dem Charme des Tambourmajors (Mike Kanitz) erliegt. Auch Andres (Ravi Brück) kann seinem Freund nicht mehr helfen. Im Wahn hört Woyzeck Stimmen und greift zum Messer. „Guckt euch selbst an“, sagt er zu den Soldaten, die ihn ständig verspottet hatten und nun auch noch auf ihn zeigen.

„Wie viel Wahrheit halten wir aus?“ Diese Frage stellen die Spielleiter in den Mittelpunkt. Nicht enden wollender Applaus für eine stimmige Inszenierung mit punktgenauer Musik von Faina Ostromuchov nach Motiven von Tom Waits.

Wieder am 3. 12., 20 Uhr, Saal der Jean-Paul-Schule, Württemberger Straße 18.

Von Bettina Wienecke

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