Neu im Kino: „Mein Stück vom Kuchen“ von Cédric Klapisch ist eine Komödie mit ernstem Hintergrund

France ist nicht kleinzukriegen

Ambivalentes Verhältnis: France (Karin Viard) ist bei dem Millionär Steve (Gilles Lellouche) angestellt, um dessen Designerwohnung sauber zu halten. Nach und nach kommen sich die beiden körperlich nah. Foto:  dpa

Die 42-jährige France aus Dünkirchen hat 20 Jahre lang in derselben Fabrik gearbeitet. Dann wird sie entlassen. Die Mitarbeiter sind den Launen reicher Börsenspekulanten ausgeliefert, die auf Firmenpleiten wetten. Hilflos und ohne Geld steht die alleinerziehende Mutter da und ist dennoch entschlossen: „Wir schaffen das.“ France muss aber ihre drei Töchter verlassen, um sich in Paris das Geld für den Unterhalt zu verdienen.

Sie darf zunächst eine Schulung für Haushaltshilfen absolvieren, unter der Bedingung, dass sie einen osteuropäischen Akzent vortäuscht. „Ich machen lange Reise und kommen zu Arbeit hier, sehr schwer in meinem Land“ – eine der Szenen des neuen Films „Mein Stück vom Kuchen“, die zum herzhaften Lachen einladen. Schauspielerin Karin Viard („Nichts zu verzollen“) stellt die willensstarke France, die die benachteiligte Schicht der französischen Gesellschaft repräsentiert, glaubwürdig dar.

Putzfrau beim Börsenhai

Schließlich gelingt France ein scheinbarer Volltreffer. Der Börsenhai Steve (Gilles Lellouche), ein reicher, egoistischer Junggeselle, stellt sie als Putzfrau ein. Sie steigt schnell auf, übernimmt auch die Rolle des Kindermädchens für Steves Sohn und streicht dafür zusätzlichen Lohn ein.

France kann ihr Glück kaum fassen und geht erst mal nach Pretty-Woman-Art shoppen. Dann kommt sie ihrem Chef Steve immer näher. Regisseur Cédric Klapisch lässt zunächst annehmen, dass sich zwischen den beiden, die von ihrer sozialen Stellung und ihren Charakteren so unterschiedlich sind, Gefühle entwickeln. Doch so vorhersehbar arbeitet der Regisseur zum Glück nicht. France erfährt, dass Steve hinter der Firmenschließung steckt. Sie zögert nicht lange, um sich zu rächen. Die lustig gestaltete Handlung mündet in eine tragische Szene, in der France Verstärkung bekommt: Ein Aufstand der Benachteiligten – der Armen – gegen die bösen Reichen beginnt. Sie fordern ihr Stück vom Kuchen ein.

Klapisch vollzieht eine klare Trennung zwischen Gut und Böse und bedient sich dafür zahlreicher Arbeiterkampf-Klischees. Trotzdem inszeniert er „Mein Stück vom Kuchen“ wie einige seiner vorherigen Filme wie „L’Auberge Espagnole - Barcelona für ein Jahr“ (2002) und „So ist Paris“ (2008) nachvollziehbar, weil die geschilderten gesellschaftlichen Probleme zwar zugespitzt, aber realistisch sind.

Genre: Komödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

Von Stefanie Dietzel

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