Konzert und Film: Der Ausnahme-Cellist Frank Wolff spielte im Gloria-Kino

Frankfurts Stadtstreicher

Ein Künstler, der sich nie verstellt: Frank Wolff beim Auftritt im Gloria-Kino. Foto: Malmus

KASSEL. Aus der tiefsten nordhessischen Provinz von Battenberg über ein Cellostudium in Freiburg weiter zu Adorno nach Frankfurt und mitten hinein in die wilden 68er-Jahre, dann zurück zum Cello: Stromlinienförmig wird man das Leben Frank Wolffs nicht nennen können, der am Sonntag im Kasseler Gloria-Kino auftrat.

Und so individuell, wie dieser Lebenslauf nach 65 Jahren immer noch ist, ist auch die Person. Irgendwo zwischen E und U, zwischen Himmel und Erde ist Wolff zu verorten. Apropos Himmel: Die Astronomie hat es dem Altlinken angetan, der sich politisch kaum noch und dann sehr differenziert äußert.

In dem einstündigen Konzert zu Beginn der Veranstaltung anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Filmladens mutierte das Cello zu einem musikalischen Teleskop: Urknall, Sternenhaufen, Venus und andere astrale Phänomene wurden unter Beimischung von Musik des ewigen Johann Sebastian Bach Klang. Ein paar Kostproben aus dem Solo-Repertoire folgten, mit dem „Frankfurts Stadtstreicher“, wie er sich gern nennt, von seiner Wahlheimat am Main aus durch Lande und Länder zieht.

Im zweiten Teil der Soirée wurde der Film „Mein blaues Cello“ gezeigt, den der anwesende Regisseur Wolfgang Würker 2010 über den Cellisten gedreht hat. Auf freundschaftlich-einfühlsame Weise entsteht in 60 Minuten das Profil eines Künstlers, der sich nie verstellt und immer nur er selbst ist, sei es als Solist oder als Mitglied verschiedener Formationen wie des Frankfurter Kurorchesters und des Neuen Frankfurter Schulorchesters.

Die wilden Jahre in Frankfurt werden mit Filmausschnitten und Fotos von Barbara Klemm rekonstruiert, ehe die cellistische Rückbesinnung in den Blick gerät, die ihn im letzten Jahr sogar auf den Cello-Olymp – zur Kronberg Academy – geführt hat.

Frank Wolff und Wolfgang Würker stellten sich anschließend noch den (wenigen) Fragen aus dem 200-köpfigen Publikum.

Von Johannes Mundry

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