Neu im Kino: Komödie „Die Standesbeamtin“

Frau Hubli im Strudel der Gefühle

Zwei Herzen im Dreivierteltakt: Musiker Ben (Dominique Jann) trifft Ex-Bandmitglied Rahel (Marie Leuenberger). Foto:  Schwarz-Weiß/nh

Diese Rede hat Standesbeamtin Rahel Hubli (Marie Leuenberger) ungezählte Male gehalten. Es werde ruhige Seen geben, prophezeit sie gelangweilt-routiniert den vor Glück strahlenden Paaren, aber auch Wasserfälle, unerwartete Strömungen. Ihre eigene Ehe indes ist ein Rinnsal, das zu versiegen droht. Kein Wunder, dass sie in einen wilden Strudel der Gefühle gerät, als sie in einer Buchhandlung auf ihren Jugendfreund Ben (Dominique Jann) trifft - ausgerechnet mit einem Stapel Beziehungsratgebern unter dem Arm.

Nur, dass der Rock-Musiker, der einst mit Rahel in der Band „Die Raben“ spielte und dem Erfolg auch schon eine ganze Weile hinterherläuft, seinen beschaulichen Heimatort gerade seiner Braut vorstellt: der zickigen deutschen Starschauspielerin mit dem originellen Namen Tinka Panzer (Oriana Schrage). Rahel soll, weil’s in der Schwyzer Kleinstadt so idyllisch ist, die beiden trauen.

Leider ist die Komödie, obwohl Drehbuchautor und Regisseur Micha Lewinsky in gefühligen Momenten ganz dick aufträgt und auch mal slapstickmäßig Tiramisu durch die Gegend fliegen lässt, selbst einem eher trägen Strom vergleichbar, bei dem jeder weiß, dass er ins Meer fließt. Oder besser: Dass Rahel und Ben, die sich einst aus kaum nachvollziehbaren Gründen verfehlt haben, zusammen im Hafen der Ehe landen werden.

Nun muss es im Kino ja nicht immer Rafting in einem alpinen Canyon sein, oder Kajak in einem Gebirgsbach. Auch eine gemächliche Ausflugsfahrt per Schiff hat seine Reize - „es lupft mi“, würde man im wunderbaren Schweizerdeutsch des Films sagen. Das fanden auch die 100 000 Eidgenossen, die „Die Standesbeamtin“ zum Überraschungserfolg des Jahres machten.

Tatsächlich versprüht der Film Charme, nicht nur dank der Musik. Die Schweiz zeichnet der gebürtige Kasseler Lewinsky (der aber in Zürich aufwuchs) so liebevoll-urig und so fern aller Finanz- und sonstiger Weltkrisen, dass man trotz der im Film verkosteten Fertigrösti ununterbrochen übers Auswandern nachdenkt. Und besonders, wie sich Marie Leuenberger (die 29-Jährige zählt zum Ensemble des Hamburger Schauspielhauses) „einen Schupf gibt“, also energisch die Initiative ergreift, sieht man sehr gern.

Genre: Komödie

ohne Altersbeschränkung

Wertung: !!!::

Von Mark-Christian von Busse

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