Frauen auf Sexsuche: Studenten programmieren ungewöhnliche Computerspiele

Extravagantes Computerspiel: Titelbild (oben) und Spielplan von „Ute“ - entwickelt von der Kasseler Studentin Lea Schönfelder. Die Spielfigur muss darin in dem Labyrinth Männer für Sex finden. Fotos: nh

Kassel. Utes Großmutter hat der jungen Frau den Rat gegeben, mit jedem Mann zu schlafen, den sie bekommen kann. Und das tut die langbeinige, langhaarige Ute. Sie ist die Hauptfigur eines extravaganten Computerspiels, das Lea Schönfelder von der Kasseler Kunsthochschule entwickelt hat.

Ein Spiel für Erwachsene, heißt es, denn Punkte gibt es nur, wenn Ute Zeitpunkt und Dauer des schnellen Sex richtig bemisst und die verschiedenen Posen, die im witzigen Strichmännchenlook gestaltet sind, im richtigen Tempo durchzieht.

Dazu laufen kleine Männchen durch ein Labyrinth, gesteuert wird mit den Pfeiltasten der Tastatur.

Das Spiel „Ute“ im minimalistischen Look könnte nicht weiter entfernt sein von Großproduktionen wie „Grand Theft Auto“. Jetzt hat es sogar einen internationalen Erfolg errungen beim wichtigsten Forum für nicht-kommerzielle Spiele, dem Independent Games Festival IGF in San Francisco.

Unter den 14 Preisträgern sind drei Spiele von der Kunsthochschule Kassel. Außer den lobend erwähnten „Ute“ und „About love, hate and the other ones“ von Tobias Bilgeri noch das preisgekrönte „Tiny and Big“ von der Studentengruppe Black Pants. Bilgeris Spiel ist für Knobler: Die beiden Figuren Love und Hate müssen durch von Level zu Level schwierigere Szenerien geführt werden. „Tiny and Big“ ist ein 3D-Spiel, in dem der Spieler eine gestohlene Unterhose finden muss. Die Spiele sind im Netz frei verfügbar.

Sie werden am Mittwoch und Donnerstag bei der jährlichen Werkschau der Arbeiten aus der Trickfilmklasse im Bali-Kino vorgestellt.

Erst seit Kurzem beschäftigen sich die Trickfilmer mit dem Genre Computerspiel und arbeiten dafür mit Studierenden anderer Fachbereiche zusammen. Lea Schönfelder mit Programmierer Stefan Lind, der ihre Idee und Optik technisch umsetzte. Die 25 Jahre alte Heidenheimerin strebt einen Einstieg in der Spiel-Branche an und hat in San Francisco Kontakte geknüpft.

„Der Spielemarkt boomt, Ideen für Frauen und ältere Nutzer sind gefragt“, sagt sie. Ballerspiele für junge Männer reichten den Herstellern längst nicht mehr aus. Die Herausforderung an einer Spielentwicklung liegt Lea Schönfelder. „Ich mag das Systemische, man hat mehr Möglichkeiten als in einem linearen Film.“ Das Entwickeln sei zwar aufwendiger, aber beim Spielen können die Effekte eindrucksvoller sein - auch weil sich der Nutzer viel mehr damit beschäftigt, wenn er aktiv spielt, als wenn er passiv einen Film ansieht.

Nun entwickelt sie ihre Arbeit „Harmonic Flight“, bei der man ein Flugzeug so mit Passagieren besetzen muss, dass die Stewardess glücklich wird.

www.ute-game.de

www.aboutloveandhate.de

www.tinyandbig.com

„Trickreich“ - Werkschau der Trickfilmklasse, 9. und 10.2., 22.15 Uhr, Bali.

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