Ein Frauenversteher und ein FDP-Hasser beim Literarischen Frühling

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Die Sonne im Rücken: Hubertus Meyer-Burckhardt (links) und Willi Winkler in Frankenberg.

Frankenberg. Hubertus Meyer-Burckhardt und Willi Winkler stellten ihre neuen Bücher beim Literarischen Frühling in Frankenberg vor. Ein witziger und erkenntnisreicher Abend.

Wenn zwei so erfahrene Männer aufeinandertreffen wie die Wahl-Hamburger Hubertus Meyer-Burckhardt (58) und Willi Winkler (57), kann man viel lernen. Am Mittwoch stellten die beiden Medienmenschen ihre neuen Bücher beim Literarischen Frühling im Hotel Die Sonne in Frankenberg vor. Wir haben die interessantesten Erkenntnisse der vergnüglichen, von Veranstalterin Christiane Kohl moderierten Lesung notiert.

Über die Liebe

Das Wort „verlieben“ mag Hubertus Meyer-Burkhardt nicht. Der Medienmanager, Produzent und Moderator der „NDR Talk Show“ zieht den englischen Begriff „to fall in love“ vor, weil die deutsche Vorsilbe „ver-“ immer etwas Negatives in sich trage („verfallen“). In seinem zweiten Roman erzählt der gebürtige Kasseler von Menschen, die erst mit über 50 die große Liebe finden. Es geht um die Frage, wie viel Nähe man zulassen will.

Ein Romantiker ist Meyer-Burckhardt nicht unbedingt. Sein Lieblingszitat über die Ehe stammt von Tschechow: „Wenn du die Einsamkeit fürchtest, so heirate nicht.“ Er selbst ist glücklich: „Was die Liebe angeht, bin ich aus dem Gröbsten raus und brauche keine weitere Akquise.“

Über die FDP

In der Liebe, gestand Willi Winkler, kenne er sich nicht aus. Der renommierte Kulturjournalist und Autor der „Süddeutschen Zeitung“ ist ein politischer Kopf. Vor 20 Jahren legte der Katholik ein Gelübde ab: Wenn die FDP aus dem Bundestag fliegt, unternehme er zu Fuß eine Wallfahrt zur Schwarzen Madonna von Altötting. Nach der Bundestagswahl 2013 ging er in Hamburg los. Seine Erfahrungen von dem 800-Kilometer-Marsch schildert er in „Deutschland, eine Winterreise“. Seinen Hass auf die FDP erklärt Winkler mit der Bibel: „Wenn dich ein Auge ärgert, reiß es aus.“

Über die Frauen

Frauen, hat Meyer-Burckhardt festgestellt, „interessieren sich vor allem für sich selbst“. Deshalb gebe es auch so viele Frauenzeitschriften. Weil zwei Drittel der Bücher von Frauen gekauft werden, vor allem wenn sie von Autorinnen geschrieben sind, arbeiteten manche Schriftsteller unter weiblichen Pseudonymen. Wer, wie Moderatorin Kohl, seinen Roman als Frauenbuch verstünde, liege falsch: „Es ist ein Menschenbuch.“

Über Deutschland

Vor seinem Fußmarsch hat Winkler festgestellt, dass es keine Wanderkarten von Norddeutschland gibt. Das sei logisch: In Norddeutschland wandert niemand, weil es eine „absolut unpoetische Landschaft ist“. Sein Navi hat ihn vor allem über Landstraßen geführt, an Automärkten und Möbelhäusern vorbei, durch „rücksichtslos hässliche Orte“. Das Mittelgebirge und der Süden seien da anders.

Das kann der bekennende Nordhesse Meyer-Burckhardt, dessen Frau ihn den „Unterhölzler“ nennt, gut nachvollziehen. Einige Stunden vor der Lesung stand er bei Frankenau im Kellerwald und schaute Richtung Rothaargebirge: "Ich hätte weinen können.“ Das ist echte Liebe.

Hubertus Meyer-Burckhardt: Die kleine Geschichte einer großen Liebe. Lübbe, 224 Seiten, 18 Euro.

Willi Winkler: Deutschland, eine Winterreise. Rowohlt, 176 Seiten, 18,95 Euro.

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