Frech, rotzig, eingängig: Das neue Album von Ina Müller

Sie kann fast alles: Ina Müller (45) wuchs auf einem Bauernhof auf, arbeitete in einer Apotheke auf Sylt, trat auf Kabarettbühnen auf, moderiert im Fernsehen und singt. Foto: 105 Music

Es war mal eine kleine Ina. Die hatte eine große Klappe und kam aus dem hohen Norden. Irgendwann stieß sie zum Fernsehen, bekam eine Sendung, die hieß passenderweise „Inas Norden“, später heißt eine andere dann „Inas Nacht“, und die wurde mit Grimme- und Fernsehpreis geadelt.

Zwischendurch aber kristallisierte sich immer mehr heraus, dass Ina Müller nicht nur frech plaudern, sondern auch passabel singen konnte. Mehr als das, die Frau mit der rauchig-knarzigen Stimme, die auch so schön auf Plattdeutsch singen kann, hat inzwischen ausverkaufte Tourneen und mehrere Studioalben, ihr drittes hochdeutsches heißt „Das wäre dein Lied gewesen“ und ist gerade erschienen.

13 Titel und jeder ein wenig kokett einem der Männer in ihrem Leben gewidmet, wobei diese „Widmungen“ schon manchmal gefährlich nah an eine musikalisch-charmant-melancholische Abrechnung grenzen. Frech, rotzig geschrieben und professionell eingängig komponiert zusammen mit Frank Ramond (Annett Louisan) und Alexander Zuckowski, vor allem Pop- rock-Balladen über Frauen und Männer, die eigentlich und nachweislich so gar nicht zusammenpassen und dummerweise doch immer wieder aufeinanderprallen.

All den Jungen zum Trotz, die allen Ernstes meinen, „man dürfe mit Mitte vierzig nicht mehr von Liebeskummer, sondern nur noch über Fallobst schreiben“ sagt die 45-Jährige, die seit kurzem nicht nur raspelkurze Haare, sondern auch selbst einen deutlich jüngeren Freund hat: „Mit Mitte 20 sind die Jungs noch süß, sind nicht so ranzig nicht so feist und fies“.

Doch nicht nur ältere Männer bekommen ihr Fett weg, wohltuend politisch unkorrekt behauptet sie in „Gleichberechtigung“: „Ne Frau kann alles machen, aber bitte nicht mit mir: wenn die Pilotin oder Chirurgin Nicole heißt und unter 30 ist, dann möchte ich sie vor dem Start doch gern mal sehen und Tach sagen“.

Inas Sound ist geblieben

„Ich bin immer schwarz oder weiß, da ist kein Platz für Grauzonen“, sagt sie über sich. Aber leider dann eben auch nicht für Zwischentöne, Andeutungen und schwebende Momente, die vieles erst wirklich liebenswert machen. Und so knüpft „Das wäre dein Lied gewesen“ zwar nahtlos an das Vorgängeralbum „Liebe macht taub“ an , lässt aber ein wenig die feinsinnige Ironie des Vorgängeralbums vermissen.

„Doch zu dir fällt mir einfach nichts ein, du reichst nicht mal für zweieinhalb Zeil’n, es hat kein’ Refrain und kein Happy End, nicht mal nen Sound, den man wieder erkennt.“ Doch, den Ina-Müller-Sound erkennt man wieder. Und der ist glücklicherweise besser denn je.

Ina Müller: Das wäre dein Lied gewesen (105 Music /Sony). Wertung: drei von fünf Sternen

Live: 19.11. Göttingen (Lokhalle), 20.11. Kassel (Stadthalle). Tickets beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

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