Neu im Kino: „12 Meter ohne Kopf“ ist eine Piratenkomödie über Klaus Störtebeker

Freibeuter wird friedlich

Männerfreundschaft auf harter Probe: Ronald Zehrfeld als Klaus Störtebeker (links) und Matthias Schweighöfer als Gödeke Michels müssen zueinanderfinden. Foto:  nh

Der Gegner rammt das Messer ins Herz des Piraten. Aber auch wenn Klaus Störtebeker den Angriff auf wundersame Weise überlebt, ist er nach dieser Nahtod-Erfahrung nicht mehr derselbe. Der Wind und das Meer machen ihm Angst. Kurz vor dem Entern einer hanseatischen Kogge lässt er abdrehen und versteckt sich unter Deck.

Im besten Männergruppen-Jargon redet der legendäre Haudegen von der plötzlichen Abscheu gegenüber seinem gewalttätigen Handwerk, fordert kollektive Selbstbesinnung statt blinden Gehorsams und träumt von einem ruhigen Leben als Radieschenzüchter auf dem Lande.

Es ist ein etwas eigenwilliges Bild, das Sven Taddicken in „12 Meter ohne Kopf“ von Klaus Störtebeker und seinen Vitalienbrüdern zeichnet. Norddeutsche Heimathistoriker mag es vielleicht angesichts des aktualisierten Sprachgebrauchs der Piratengang die Fußnägel hochrollen. „Fick die Hanse!“, lautet der postmoderne Schlachtruf der Freibeuter.

Aber „12 Meter ohne Kopf“ ist nicht die Hochsee-Version von „Der Schuh des Manitu“. Es geht nicht um blödelnde Karikatur, sondern eher um freudvolle Dekonstruktion des deutschen Freibeutermythos. Dabei wird trotzdem – nach Überwindung der Führungskrise - fachgerecht geentert, gefochten, gesoffen und geschlägert. Vielleicht nicht ganz so elegant wie in „Der rote Korsar“, aber mit einer unübersehbaren Liebe zum Genre des Piratenfilms. Da gibt es noch Dreck, Schweiß und vor allem eine Männerfreundschaft, die auf den Prüfstand gestellt wird.

Während Störtebeker (Ronald Zehrfeld) mit pazifistischen Ruhestandsfantasien flirtet, hält sein langjähriger Kampfgefährte Gödeke Michels (Matthias Schweighöfer) am Freibeuterdasein fest. Eine zünftige Meuterei und die finale Seeschlacht gegen die hanseatischen „Pfeffersäcke“ gehören genauso zum Programm wie die Hinrichtungsszene in Hamburg, die von der überlieferten Legende deutlich abweicht.

Taddicken ist eine sehr originelle, historisch angenehm unkorrekte Störtebeker-Version gelungen, die den Freibeuter-Mythos ironisch gegen den Strich bürstet, ohne den Spaß am Genre zu verlieren.

Genre: Piratenkomödie

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!:

www.hna.de/kino

Von Martin Schwickert

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