Joachim Gauck riss Vellmarer Zuhörer mit

Für die Freiheit

Joachim Gauck Foto:  picture-alliance

Vellmar. Er hat die Gabe, mit schlichter, direkter und bildhaft-poetisch verdichteter Sprache die Zuhörer zu packen und sie teilhaben zu lassen an einem exemplarischen deutschen Schicksal in einem schwierigen Jahrhundert. Joachim Gauck (70) ist eine Symbolfigur der Bürgerrechtsbewegung in der früheren DDR und der Bewältigung dieser selbst erlebten Vergangenheit.

Seinen Namen, der mit der Behörde, die er nach der Wende leitete, im Volksmund untrennbar verbunden ist, kennt auch im Westen jeder politisch interessierte Mensch. Zumal in der Region, in der er 2009 den Bürgerpreis „Glas der Vernunft“ erhielt. Zwei Stunden las er in Vellmar beim Literaturverein „Ecke und Kreis“ aus seinen Memoiren, immer wieder unterbrochen durch abschweifende Erinnerungen, Erläuterungen oder erhellende Anekdoten. Denn, wie er bekannte, es ist weniger die festgefügte Formulierung, auf die es ihm ankommt, als die Rede, der Kontakt zum Gegenüber.

Im Bürgerhaus brachte er es fertig, den Funken überspringen zu lassen auf das Publikum im vollen Saal, es hineinzuziehen in den Sog dieses erstaunlichen Lebens, das von der beschaulichen Kindheit bei Rostock bis zur Verhaftung des Vaters über Studium und Pfarrerberuf in höchste Ämter führte.

Wenige Lesungen werden derart von spontanem Beifall unterbrochen, und der lang anhaltende Applaus im Stehen am Ende bewies: Joachim Gauck und sein Kampf für ein selbstbestimmtes, unabhängiges Leben in Freiheit und gegen das Vergessen sind auch im Westen angekommen.

Joachim Gauck: Winter im Sommer, Frühling im Herbst. Siedler, 352 S., 22,95 Euro

Von Claudia von Dehn

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