38 Künstler ehren ihren verstorbenen Lehrer Fritz Schwegler in Kassel mit der Ausstellung „neue enden“

Aus Freiheit entsteht Vielfalt

Zwischen drinnen und draußen: Prof. Norbert Radermacher beim Anpassen seiner Kanaldeckelinstallation aus Teppichscheiben. 5 Fotos: Zgoll

Kassel. Man kann einen Künstler ehren, indem man seine Werke zeigt. Einen anderen, sehr überzeugenden Weg hat das Kasseler Künstlerpaar Silvia und Lutz Freyer eingeschlagen, um Fritz Schwegler, dem zweimaligen documenta-Künstler und langjährigen Düsseldorfer Kunstprofessor, ein Denkmal zu setzen: 38 Meisterschüler Schweglers beteiligen sich an der Ausstellung „neue enden“ in den Räumen des Kasseler Kunstvereins im Fridericianum, die dem 2014 verstorbenen Künstler gewidmet ist. Kürzlich wäre er 80 geworden.

So unkonventionell, wie der Multikünstler Schwegler selbst agierte, so vielfältig präsentiert sich diese Schau, die die Freyers zusammen mit der Düsseldorfer Kuratorin Sabine Maria Schmidt gestaltet haben. Dass einige Schwegler-Schüler wie Thomas Schütte, Gregor Schneider, Sonja Alhäuser und Norbert Radermacher ihren Lehrer inzwischen an Bekanntheit übertreffen, spricht für dessen pädagogischen Ansatz, starke Individualitäten zu fördern.

Schweglers Geist der Offenheit durchzieht diese Schau. Er selbst taucht nur an einer Stelle versteckt in einer Fotoserie von Claudia van Koolwijk (mit bemaltem Gesicht) auf. Während Armin Hartenstein sein Bewerbungsstück für die Schwegler-Klasse zeigt, eine skulpturale Landschaft, haben andere Künstler Arbeiten eigens für diese Ausstellung geschaffen. Silvia Freyer etwa zeigt mit dem Objekt „Gas“ einen mit Seife überzogenen Gasbehälter, dessen Oberfläche wie Ausschlag wirkt. Lutz Freyer präsentiert hintergründige Zeichnungen mit dem Titel „Teer und Federn“.

„Teppich“ heißt lapidar die Arbeit von Norbert Radermacher, Vize-Rektor der Kasseler Kunsthochschule. Aus einem einfachen Teppich schneidet Radermacher tellerförmige Scheiben, die er auf einem Gullydeckel vor dem Fridericianum auslegt. Ein museales Objekt wird zu Street-Art.

Neben Malerei, etwa einem wandfüllenden Bild von deckkraft (dahinter verbirgt sich das Künstler-Duo Walter Eul und Marc van Criegern), finden sich Zeichnungen, Videos, Fotografien, bildhauerische und konzeptionelle Arbeiten.

Vor Kurzem erst wurde Thomas Schüttes Figurengruppe „Die Fremden“ von der documenta 9 auf dem Portikus des Kasseler Sinn-Leffers-Gebäudes neu installiert. Steht man im Fridericianum vor den beiden Exemplaren seiner Keramik-„Eierköpfe“ von 2014, braucht man nur den Kopf zu wenden, um die Figurengruppe zu sehen. Solche optischen und inhaltlichen Bezüge hat Sabine Maria Schmidt vielfach hergestellt. Mehrfach trifft man auf Modelle von Räumen und Architektur, ein großes Thema Schweglers, ebenso auf Arbeiten mit Schrift. – Viel zu sehen, zu entziffern und zu genießen.

Ausstellung „neue enden“, Fridericianum Kassel. Bis 16. August, Di bis So, 11-18 Uhr, mittwochs freier Eintritt.

Von Werner Fritsch

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