Jugendliche aus vier Nationen begeisterten das Publikum mit ihrem Theaterprojekt im Dock 4

Du und die Fremde, die Fremde und du

Mit Poesie und Pfiff: Ergebnisse eines Workshops präsentierten Jugendliche im Dock 4. Foto: Herzog

Kassel. Ach, wenn es doch überall so wäre: Jugendliche aus unterschiedlichen Nationen Arm in Arm freundschaftlich vereint. Auf den Lippen: Leonard Cohens Stück „Hallelujah“. Ein prächtiges Bild, das sich dem Publikum beim Finale des internationalen Tanz-und Theaterprojekts „ID-Europe“ bot.

40 Jugendliche aus Rumänien, Polen, Italien und Deutschland waren beteiligt. Zwölf Tage haben sich die Jugendlichen beim Austausch- Projekt des Jugendbildungswerks Kassel Gedanken zum Thema „Zuhause und Identität“ gemacht. Das künstlerische Ergebnis begeisterte im vollen Dock 4 mit Tiefe, Poesie, Kreativität und Pfiff. Zumeist gaben die Jugendlichen ihren Wünschen und Visionen tänzerische Gestalt. Mal solo, mal als Paar, mal als Gruppe. Es ging um Integration, um Auf- und Annahme, um Einsamkeit oder Freundschaft. Wunderschöne poetische Bilder wurden da kreiert: Eine Gruppe, in der jeder Einzelne in die Höhe gehoben wird, eine Menschenkarawane im synchronen Storchenschritt, ein Suchender, der sich trostlos in Embryostellung zusammenkauert. Schon fast professionelle Tanzqualität blitzte da auf. Sicher auch ein Verdienst der Kasseler Tanzpädagogin Pamela Hering, die mit den Jugendlichen gearbeitet hatte.

Die Inszenierung glänzte mit zahlreichen Sequenzen: Während auf der Leinwand Texte zum Thema Identität in Englisch aufleuchteten - „wer hat mich geprägt, meine Eltern? Meine Umgebung?“ -, verlasen die Jugendlichen den Inhalt in ihrer Landessprache. Auch Lebenskreisläufe wurden symbolisch dargestellt. Das Elternhaus, der Vater beim Zeitunglesen, die Mutter, die ihr Kind nicht zum Erwachsenwerden freigeben kann, Schule, Lehrer, Freunde beim Spielen. Fazit: Eine beeindruckende Bilderwelt aus Poesie, Humor und Tiefsinn. Dass es Jugendliche waren, die diese Welt entwarfen, beeindruckte umso mehr. Lang anhaltender Applaus.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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