Franka Potente steht allein vor der Kamera im Kinofilm „Kleine Lichter“ - ein Porträt

Im Fremdsein frei sein

Geheimnisvolle Schönheit: Franka Potente als Valerie im gleichnamigen Filmmonolog. Foto:  dpa

Hubertus Meyer-Burckhardt hat eine „Zigeunerin 2.0“ gesucht für sein aktuelles Filmprojekt „Valerie“. Und Franka Potente gefunden. Geheimnisvoll, verwegen, kosmopolitisch. Sie spielt die Hauptrolle in dem diese Woche in Deutschland startenden anspruchsvollen Film. Was heißt Hauptrolle? Es ist die einzige.

„Valerie“ ist der dritte Film einer Reihe von Produktionen, die als Monologe gestaltet sind. Der aus Kassel stammende Produzent und leidenschaftliche Cineast Hubertus Meyer-Burckhardt hatte zunächst Hannelore Elsner in „Mein letzter Film“ (2002) und dann Ben Becker in „Ein ganz gewöhnlicher Jude“ (2005) vor der Kamera.

„Valerie“ ist nun das Videotagebuch einer Frau für ihren im Koma liegenden Liebhaber. Die beiden sind Heimatlose, pendeln zwischen Berlin und Los Angeles, wo sie nun für ihn alle Brücken abbrechen will. Je länger Valerie in die Kamera spricht, desto persönlicher wird ihre Lebensbilanz. Für dieses schwergewichtige Low-Budget-Projekt nach einer Geschichte von Roger Willemsen stand Franka Potente in der Regie Josef Kusnaks vor der Kamera, kunstvoll komponierte Bilder wechseln sich mit ihren wackeligen Handkamera-Aufnahmen ab.

Potente, die sich auf der Leinwand rar macht, seit sie im kollektiven Filmgedächtnis ewig als rennende Lola (1998) abgespeichert ist: Pumucklroter Schopf, durchtrainierter Körper im Trägerhemdchen, panische Konzentration im Blick und immer in Bewegung durch die Hauptstadt.

Sizilianische Vorfahren

Die in Münster geborene 37-Jährige hat sizilianische Vorfahren, daher der Nachname. Als 18-Jährige ließ sie sich ein Symbol für die italienische Theaterform Commedia del’Arte in die Haut stechen, um sich ihres Traums, Schauspielerin zu werden, zu vergewissern.

Sie studierte Schauspiel in München und in New York. Entdeckt wurde sie auf der Toilette einer Münchner Bar für ihr Leinwanddebüt: „Nach fünf im Urwald“ (1995), wofür sie bereits einen Preis erhielt.

Zuletzt erlebte ein Millionenpublikum sie in den „Bourne“-Thrillern an der Seite von Matt Damon. Frisch und natürlich ist ihre Ausstrahlung auch in dieser dollarschweren Produktion. Weitere Filme waren „Blow“, „Elementarteilchen“, „Blueprint“, Anatomie“ und die TV-Serie „Dr. House“, wo sie Gastrollen spielte. Franka Potente gehört zu den wenigen deutschen Stars, denen der Durchbruch in den USA gelang. Das Talent mit den sanften braunen Augen und den mittlerweile vielfach tätowierten Armen war mit „Lola“-Regisseur Tom Tykwer und „Herr der Ringe“-Star Elijah Wood liiert und ist seit April Mutter einer Tochter, über den Vater ist nichts bekannt.

Potente ist auch als Regisseurin („Der die Tollkirsche ausgräbt“) und publizistisch aktiv. Sie veröffentlichte mit einem Freund einen Briefwechsel, machte ein Fitnessbuch und schrieb zuletzt den Kurzgeschichtenband „Zehn“ über Japan. Japan ist für die vielgereiste Künstlerin das Fremdeste, was sie sich denken kann. Und: Sich fremd zu fühlen, macht einsam, sagt sie, und das macht frei.

Von Bettina Fraschke

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