Ein makabres Spektakel:

Theater-Jugendorchester-Projekt „Shockheaded Peter“

Kassel. „Und wie steht’s mit Ihnen, was ist Ihr Begehren?“ Am Schluss wendet sich der diabolische Conférencier (Franz Josef Strohmeier) direkt ans Publikum. Das Unterbewusstsein stecke voller Geheimnisse. Ein makabres Spektakel ist das 9. Theater-Jugendorchester-Projekt im Schauspielhaus.

Grundlage bildet die Struwwelpeter-Adaption „Shockheaded Peter - A Junk Opera“ der Londoner Band The Tiger Lillies. 1998 hat sie die schwarze Pädagogik des berüchtigten Bilderbuches von Heinrich Hoffmann (1809-1894) zum schwarzhumorigen Grusical umgeformt - mit ihrem schrägen Stil, der gern als „Brecht’sches Zigeuner-Kabarett“ bezeichnet wird.

Ganz schön blutig: Michelle Jahn (Mitte) sowie von links unten im Uhrzeigersinn Imke Rutsatz, Madeleine Kampczyk, Tabea Koch und Luisa Docter. Foto: Klinger

16 Jugendliche spielen die verschärften Struwwelpeter-Geschichten. Wie die vom zündelnden Paulinchen. In Hoffmanns Original fungieren dabei zwei Katzen als warnende Moralapostel. In der Inszenierung von Sonja Trebes räkeln sie sich lasziv, und Paulinchen trägt unterm züchtigen Nachthemd ein kesses Oberteil. Freud lässt grüßen bei diesem Spiel mit dem Feuer.

Neben Suppenkaspar im Kühlschrank und anderen bösen Geschichten gibt es eine Rahmenhandlung mit einem vermeintlich normalen Paar, in dessen Seelen Abgründe schlummern. Die Profis Tomasz Wija und Belinda Williams singen mit Wohlklang die englischen Songs, deren deutsche Übersetzung in Übertiteln eingeblendet wird.

Schauspieler Franz Josef Strohmeier schwingt die Motorsäge (in der Episode vom Daumenlutscher), hat aber auch philosophische Sentenzen auf Lager. Zum Beispiel das Rilke-Wort, dass das Schöne nichts als des Schrecklichen Anfang sei.

Dramaturgisch ist das alles nicht unbedingt einfach. Toll sind aber die bis zum Akrobatischen reichenden Künste der Darsteller, die Kostüme von Isabell Heinke und das Spiel des Orchesters. Dirigent Xin Tan hat die Tiger-Lillies-Stücke eigens arrangiert und leitet mit hoher Präzision die bestens aufgelegten jungen Musiker. Schräge Takte werden da zum Vergnügen. Riesenbeifall im voll besetzten Schauspielhaus.

Wieder am 28., 29., 30.6. und 4.7. Karten: Tel. 0561/1094-222.

Von Georg Pepl

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