Klaus Staeck und Sigmar Polke: Schau in Berlin

Freund der Kartoffel

Sigmar Polke: „I got the Blues“ (2008), Serigrafie auf Karton. Foto: akademie/nh

Berlin. „Die Sterne lügen nicht! Diese Woche wäre günstig für ein Treffen“, schrieb Klaus Staeck, Herausgeber von Editionen, an Künstler-Freund Sigmar Polke. Doch dieser Freigeist stellte die Geduld des Verlegers auf eine harte Probe. Der im Juni 2010 verstorbene Maler war zeitlebens schwer erreichbar. Über 100 Fax-Botschaften sandte Staeck an ihn. Er antwortete nur dreimal. Dennoch währte die Freundschaft 42 Jahre, getragen vom ironischem Humor.

1967 schrieb der Jurist und Grafiker den ersten Bettelbrief an Polke, um für seine Heidelberger Edition eine Grafik zu gewinnen. Erst 1969 klappte es mit der Zusammenarbeit. Die berühmte „Kartoffelmaschine“, ein klassisches Dada-Objekt, wurde geboren.

Für 290 Mark wollte es kaum einer, wie der Präsident der Akademie der Künste zum Sammlerstück anmerkt, von dem erst kürzlich ein Exemplar für über 200 000 Euro versteigert wurde. In der Akademie ist der verschrobene „Apparat, mit dem eine Kartoffel eine andere umkreisen kann“, nun ausgestellt.

„Er hat den Drucker, die Logistik, den Vertrieb und die Künstler“, befand Polke über Staeck und blieb dem Kollegen treu. Verbunden hat sie das politische Interesse und die Tatsache, dass „wir beide aus dem Osten kamen“. In seiner Hommage an Polke, der am 13. Februar 70 geworden wäre, förderte Staeck zutage, was in seinem Archiv schlummert: Korrespondenz, Fotos, gestaltete Rechnungen, Plakate und die gesellschaftspolitischen Grafiken des Konsumkritikers.

Daneben sind die großformatigen Gouachen der Werkgruppe „Wir Kleinbürger!“ (1974-76) zu sehen, die aus Hamburger Privatbesitz stammen. Der Meister der Spontan-Performance, der seinen Kopf in Heidelberg gleich aufs Kopiergerät legte, war künstlerisch ein „Spieler von großen Gnaden“, erzählt Staeck.

Auf den Fotos bleibt seine schrille Seite im Dunkeln. Der Künstler wirkt eher wie Herr Biedermann von nebenan. Aber Schalk und Chuzpe hatte er schon eine Menge, der Kartoffelfreund, der erkannte: „Die Kartoffel ist der wahre Künstler, weil sie treibt jeden Keim aus sich heraus.“

Bis 13. März, Akademie der Künste, Berlin, Pariser Platz 4. www.adk.de.

Von Andrea Hilgenstock

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