Das Ulli Jünemann 4tett im Theaterstübchen

Freundlicher Gentleman-Jazz

Spielte facettenreich und diszipliniert: Saxofonist Ulli Jünemann. Foto: Fischer

Kassel. Ulli Jünemann ist im Theaterstübchen kein Unbekannter. Gern schart der Saxofonist gute Musiker aus verschiedenen Formationen um sich oder reiht sich in andere Projekte mit ein. Am Dienstag präsentierte er sich zusammen mit Thomas Stabenow am Bass, Christian Eckert an der Gitarre und Drori Mondlack am Schlagzeug unter dem Namen „Jünemann 4tett“.

Verbal kommunizierte die Formation an diesem Abend, zu dem leider nur knapp 20 Besucher gekommen waren, sehr wenig. Das ist für Jazzmusiker aber nicht gänzlich unüblich. Anders als der Blueser, bei dem die kleine Geschichte über das große Leid praktisch zur Musik dazugehört, reicht dem Jazzer nicht selten die Zwiesprache mit seinem Instrument.

Und wenn es so klingt wie Jünemanns Saxofon, dann kommt das Publikum auch ohne Ansagen auf seine Kosten. Gleiches gilt für die gesamte Formation. Der Jazz dieses Quartetts hat Melodie, Farbe, Sensibilität und technische Klasse. Er könnte in eine Bar passen, in der die Glimmstängel noch glühen. Nicht die Art von Musik, die sich exzentrisch geben müssen und in ihren Soli ausbrechen mit unbekanntem Ziel - sondern cool, gekonnt überlegen.

Freundlicher Gentleman-Jazz sozusagen. Das gilt für Jünemann, der zwar immens facettenreich zu spielen versteht, nie aber die Disziplin aus dem Auge verliert. Es gilt für Thomas Stabenow, der auf seinem Bass selbst bei den Soli Erdung ausstrahlt, und es gilt für den so dynamisch wie sensibel operierenden Drori Mondlack am Schlagzeug.

Die Musik erinnert in ihrer angenehmen Ausstrahlung an die Jazz-Klarheit der 40er- und 50er-Jahre. Eigenkompositionen und die Bearbeitung von Standards fließen zusammen. Heraus kommt dabei filigraner Jazz mit geschmeidiger Ästhetik und hohem Verwöhnaroma. Viel Applaus dafür und zwei Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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