Show hatte Samstag Premiere

Freundschaft auf dem Prüfstand: TV-Kritik zu „Mein bester Feind“

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Konstantin Mennecke

ProSieben feierte am Samstagabend die Premiere von „Mein bester Feind“ mit Joko und Klaas. Eine erfrischende Show, an der noch geschraubt werden darf, findet Konstantin Mennecke.

Gänzlich neu war das, was dem Zuschauer am Samstag zur Primetime geboten wurde, keinesfalls. Bei der Spielshow „Mein bester Feind“ treten zwei Freunde an: Einer bewirbt sich mit seinem Freund für die Show, schaut tatenlos zu, während dieser eine Mutprobe macht, und gewinnt bei Gelingen einen Preis - während der eigentliche „Held“ leer ausgeht. Dieses Format ist bereits aus Circus HalliGalli bekannt, doch gelingt es dem Sender, in der abendfüllenden Show noch eine gehörige Portion Unterhaltung und Action draufzulegen.

Die Kandidaten mussten sich Aufgaben stellen, die an das erfolgreiche „Duell um die Welt“ erinnern: In 2000 Metern Höhe schaukelnd ein Gedicht aufsagen oder einen Bungee-Sprung in einem Auto wagen sind wahrlich keine Aufgaben, die es sonst im Deutschen Fernsehen abseits des Erfolgsduos Joko Winterscheidt (35) und Klaas Heufer-Umlauf (31) zu sehen gibt.

Der Gewinn für den Kandidaten ist gering: Ein großer Fernseher und ein Set Dichtungsringe oder aber ein Mousepad locken. Reicht ihm das nicht aus, kann er seinen besten Freund nochmals vor eine Aufgabe stellen, um einen Porsche Baujahr 1983 zu gewinnen: Ein Parcours wartet im Nachbarstudio. Das erinnert ein wenig an die Zeit, in der Ulla Kock am Brink in ihrer 100.000-Mark-Show Paare durch diverse Strapazen jagte. Zu den Aufgaben gehört, sich tätowieren zu lassen oder unter Live-Beschallung von Scooter-Sänger H.P. Baxxter Rechenaufgaben zu lösen. Und das alles im Kampf gegen die Zeit.

Die Show "Mein bester Feind" hat Potential, ein Quotenbringer zu werden, doch das Gelang diesen Samstag mit 1,4 Millionen Zuschauern noch nicht. Als reiner TV-Klamauk kann die Sendung aber nicht abgetan werden. Starke Bilder, gekonnt in Szene gesetzte Protagonisten und ein aufwändig gestaltetes Studio machen klar, dass hier kreative Köpfe am Werk sind, die mit Leidenschaft Fernsehen machen. Sowas vermisst man zunehmend im TV.

Joko und Klaas müssen sich nicht verstellen, um Spaß zu machen und es gelingt ihnen auch, die große Bühne zu füllen. Beachtlich, bedenkt man, dass sie bis Anfang 2013 mit "neoparadise" noch auf dem digitalen Abstellgleis des ZDF arbeiten mussten.

Unbedingt noch einmal Hand anlegen müssen die Macher aber an drei kleinen Dingen: Sich tätowieren lassen zu müssen, um den Hauptpreis zu gewinnen, ist nicht nur moralisch fraglich. Kandidaten aus den Reihen der Zuschauer dürfte es künftig ebenfalls, der Fairness halber, ebenfalls nicht mehr geben, denn sie kennen den Parcours bereits auswendig. Und vier Stunden Sendezeit gebühren beim Unterföhringer Sender nur „Schlag den Raab“ - für dieses Format sind sie etwas über das Ziel hinausgeschossen.

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