Fridericianum bildet Botschafter der Kunst aus

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Schon mit Kulturattachée-Ausweisen ausgestattet: Die Kunstfreunde und das Team des Fridericianums beim ersten Treffen. Foto: Klinger

Kassel. Wenn Susanne Pfeffer sagt: „Wir haben das beste Publikum der Welt“, dann schwingt bei der neuen Leiterin des Fridericianums das Erstaunen mit, wie offen und intensiv sich viele Kasseler dank der documenta auf Gegenwartskunst einlassen.

Gerade viele „Worldly Companions“, weltgewandte Begleiter, wie d13-Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev die über 150 Führungskräfte ihrer Ausstellung nannte, haben Feuer für die zeitgenössische Kunst gefangen. Ein halbes Jahr lang waren sie 2012 ausgebildet worden, haben Wissen erworben, wie man Gruppen Kunst nahebringt. Davon will auch das Fridericianum profitieren – und die Companions zu „Kulturattachés“ weiterbilden.

Was das heißt? Die Attachés sollen besondere Einblicke gewissermaßen hinter die Fridericianum-Kulissen bekommen und ihrerseits Familie, Freunde, Bekannte und Kollegen einladen, um ihr Wissen weiterzugeben. Davon – so die Idee – profitieren sowohl das Fridericianum, das Multiplikatoren gewinnt, als auch die kunstinteressierten Laien, wenn sie sich intensiv mit den Ausstellungen auseinandersetzen: Sie erhalten ausgewählte Texte, Video-Vorträge oder Filme vorab, es gibt einen exklusiven Previewtermin, Workshops, bei denen die Lektüre vertieft, die künstlerischen Positionen diskutiert werden. Der Kulturattaché-Ausweis berechtigt zum freien Eintritt, auch den Katalog gibt es gratis.

„Es besteht vor allem der Wunsch nach intensivem Austausch“, sagt Pfeffer. Das kommt ihrem Anliegen entgegen, das Museum zum „Begegnungsort“ mit Buchladen und Kaffee-Bar zu machen.

Die Hälfte der Companions, die verschiedenen Berufsgruppen und Generationen angehörten, aber alle einen Kassel-Bezug besaßen, zeigten sich interessiert. Ein Drittel will Kulturattaché werden. Auch jetzt ist die Bandbreite groß: Physiotherapeut, Psychologe, Bibliothekarin, Sozialarbeiter, Redakteur oder Finanzbeamter machen mit. Ein Staatsanwalt erzählte Susanne Pfeffer, seit er den Jargon der Kunstexperten kennengelernt habe, achte er auch mehr auf seine eigene Fachsprache, die der Juristen. Pfeffer: „Man kann ja komplizierte Dinge in einfacher Sprache ausdrücken, wenn man sie verstanden hat.“ Jeder Besucher soll mithilfe der Attachés bei seinen jeweiligen Vorkenntnissen abgeholt werden.

„Und wir lernen unser Publikum kennen“, sagt Juliane Gallo, die im Fridericianum für die Vermittlung verantwortlich ist. Sie koordiniert die Termine der Attachés, macht aber weiterhin ihre vielfältigen Angebote. Die Vermittlung soll also nicht allein auf ehrenamtliche Schultern verteilt werden.

Die Attachés sind ganz frei darin, ob sie eher einen Überblick anbieten oder nur einzelne Arbeiten erörtern wollen. Teilnehmer ihrer Führungen zahlen den ermäßigten Eintritt (3 Euro) und ab zehn Personen den Gruppentarif (2 Euro).

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