Das Fridericianum blutet: Ausstellungen von Teresa Margolles und Matt Stokes

Mit dem Aufbau ihrer Ausstellungen beschäftigt: Matt Stokes und Teresa Margolles vor der Fassade des Fridericianums, wo bereits künstlerische Eingriffe der Mexikanerin zu sehen sind. Foto: von Busse

Kassel. Mit riesigen Platten verrammelt scheinen die Fenster im Obergeschoss des Fridericianums. Als ob auf die Schnelle zerschlagenes Glas notdürftig und provisorisch ersetzt worden wäre. Tatsächlich handelt es sich um eine künstlerische Arbeit. Die Mexikanerin Teresa Margolles, die ab Freitag in der Kunsthalle ausstellt, hat die Fensterfront im ersten Stock verhängt - mit Tüchern, die auf Leinwand gespannt worden sind.

Die Tücher stammen aus Städten entlang der mexikanischen Grenze zu den USA. Getränkt sind sie mit der Erde von Schauplätzen, an denen Morde und andere Gewaltverbrechen stattgefunden haben. Es sind Tatorte im Drogenkrieg, der in Mexiko Tag für Tag aufs Neue Opfer kostet.

Die Kasseler Tücher mit ihren Anhaftungen aus Erde sind beispielhaft für die Kunst der Venedig-Biennale-Teilnehmerin 2009. Margolles ist bekannt geworden mit der Auswahl der Materialien, mit denen sie arbeitet - bei der Manifesta in Bozen 2008 etwa war es Leichenwaschwasser. Es sind Materialien, die Wirklichkeit abbilden, Realität bezeugen.

In ihrer Kasseler Ausstellung „Frontera“ zeigt sie auch eine Mauer, auf der noch Einschussspuren sichtbar sind. Der Titel, spanisch für „Grenze“, stehe für die mexikanisch-amerikanische Trennlinie, aber auch für ethische, innere Grenzen des Menschen, sagt Kunsthallen-Leiter Rein Wolfs. Auf den mit Erde imprägnierten Tüchern gebe es Blutspuren, die gewissermaßen von der Fassade des Fridericianums tropfen, die das Haus bluten lassen.

Um „die Essenz von Kulturen“, so Wolfs, gehe es dem britischen Künstler Matt Stokes. Er wird im Erdgeschoss unter anderem seine Folk-Pop-Filmarbeit „The Gainsborough Packet“ zeigen, ein historisches Kostüm-Drama, sowie einen eigens produzierten Film, der die extreme Metal-Musikkultur in Kassel thematisiert.

Eröffnung am Freitag, 19 Uhr, Kunsthalle Fridericianum.

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