Fridericianum: Erste Ausstellung Ende September

Seit zwei Monaten leitet Susanne Pfeffer die Kunsthalle Fridericianum. Wir haben sie gefragt, wie weit die Vorbereitungen zur ersten Ausstellung gediehen sind.

Frau Pfeffer, sind Sie in Kassel schon angekommen?

Susanne Pfeffer: Ja. Momentan verbringe ich den Großteil meiner Zeit im Fridericianum, und da bin ich angekommen.

Ihr Ziel war, zur Museumsnacht zu eröffnen. Was werden wir am 7. September sehen?

Pfeffer: Die erste Ausstellung öffnet am 28. September. Zur Museumsnacht werden wir speziell ein Programm für diese besondere Nacht machen. Es freut mich, dass wir auf dieses sehr eigene Format eingehen können und ich nicht an eine Ausstellung gebunden bin.

Wollen Sie mehr verraten?

Pfeffer: Es wird aufregend - so viel kann ich sagen.

Sie gewinnen also drei Wochen. Womit starten Sie dann?

Pfeffer: Es wird eine Gruppenausstellung mit internationalen Künstlerinnen. Ich zeige eine ganz junge Generation, die sich intensiv mit der digitalen Welt und deren Implikationen auseinandersetzt. Was besonders schön ist, dass eigens für die Ausstellung neue Arbeiten entstehen.

Was fasziniert Sie am Thema?

Pfeffer: Wir sind ja alle täglich mit dieser digitalen Welt konfrontiert. Das Internet ist das Prägendste, aber auch Formen der Kommunikation, des Visuellen, der Handlungsweisen und Befindlichkeiten der Körper - also eigentlich alles ist dieser digitalen Revolution ausgesetzt. Eine ganz junge Generation setzt sich sehr stark mit den Veränderungen der Rezeption dieser Bildwelten, des Körpergefühls und der Wahrnehmung auseinander. Es gab weltweit noch keine Ausstellung, die diese künstlerische Strömung aufgezeigt hat.

In welchen Medien arbeiten die Künstler?

Pfeffer: Spannend ist, dass es wirklich alle Medien betrifft. Wir zeigen Malerei, Installationen, Skulpturen, Filme - die meisten Arbeiten sind im klassischen Sinn nicht digital.

Themen sind sicher die Originalität, Fragen, wie frei und verfügbar Bilder sind.

Pfeffer: Auf jeden Fall. Es gibt viele Künstlerinnen, die mit Stock-Bildern arbeiten - Motive, die jeder bei Agenturen oder Fotoportalen kaufen kann, auf die die Medien oder Werbung zurückgreifen. Diese Bilder sind extrem bearbeitet, stellen eine Welt dar, die es in dieser Form nicht gibt. Paradoxerweise entspricht ein digital bearbeitetes Naturbild eher unserer Vorstellung von „natürlich“ als jede Natur. Es geht auch darum, wie man sich dieser Bildwelten bedient und seine Kunst dann wieder verfügbar macht.

Es ist ein bisschen wie bei der ersten Premiere, wenn der Vorhang aufgeht. Inwiefern wollen Sie mit Ihrer ersten Ausstellung ein Zeichen setzen?

Pfeffer: Mir ist wichtig zu zeigen, dass das Fridericianum weiter Ort der Gegenwart und der künstlerischen Auseinandersetzung mit ihr sein wird, und ihrer Vielstimmigkeit gerecht zu werden. Es geht mir darum, Phänomene nicht nur aufzuspüren, sondern ihnen auf den Grund zu gehen. So zeigen wir ab dem 28. September nicht nur unsere erste Ausstellung, sondern auch weltweit die erste umfassende Ausstellung zur künstlerischen Reaktion auf die digitale Revolution.

Was ist für Sie gerade die größte Herausforderung?

Pfeffer: Die Komplexität all der Aufgaben. Das ist aber toll. Diese Intensität hat auch einen Vorteil. Im Moment findet eine unglaubliche Konzentration statt, eine Energie, die Potenziale freisetzt. Das gesamte Team ist im Moment auf einer Welle, auf der wir alle über uns hinauswachsen.

Zur Person

Mitte April wurde die Kunsthistorikerin und Kuratorin Susanne Pfeffer, 1973 in Hagen geboren, ledig, als neue Leiterin der Kunsthalle Fridericianum vorgestellt. Zuletzt war sie davor für das MoMA PS1 in New York tätig gewesen. Von 2007 bis 2012 leitete Pfeffer die Kunstwerke (KW Institute for Contemporary Art) in Berlin, wo sie auch studiert hatte. Auch im Künstlerhaus Bremen hatte sie die Leitung inne. (vbs)

Von Mark-Christian von Busse

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