Frisch wie vor 400 Jahren: „Das Gastmahl des Belsazar“ ist wieder in der Gemäldegalerie

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Der Hermelinmantel des Königs strahlt wieder: „Das Gastmahl des Belsazar“ von Pieter de Grebber nach der Restaurierung. Foto:  mhk

Kassel. Als Anne Harmssen vor sechs Jahren ihre Stelle als Leiterin der Restaurierungsabteilung der MHK antrat, fiel ihr sofort ein Bild ins Auge, dem sie sich so schnell wie möglich widmen wollte. Zwischen den fünf Eichenholzbrettern, auf denen Pieter de Grebbers „Gastmahl des Belsazar“ 1625 entstanden war, konnte man bereits hindurchschauen. Der zum Schutz der Malschicht dick aufgetragene Firnis war dermaßen vergilbt, dass er das Gemälde wie ein gelber Schmier überzog und den Farben ihre Klarheit nahm. Der ursprünglich strahlend weiße Hermelinmantel des Königs sah aus, als ob er jahrelang in einer verrauchten Kneipe gehangen hätte.

Sechs Jahre lang verbrachte das Gemälde nun in der Restaurierungswerkstatt im Keller von Schloss Wilhelmshöhe. In der kommenden Woche erhält es einen Rahmen, danach wird es wieder zu sehen sein. Den Großteil der Arbeitszeit nahm die Firnisabnahme in Anspruch. Immer wieder trugen die Restauratoren schnell und gleichmäßig sehr flüchtige Lösungsmittel auf, um den vergilbten Firnis Schicht für Schicht abzulösen. In die Spalten zwischen den Eichenholzbrettern wurden von hinten Balsaholzspäne eingeklebt. Auf der Vorderseite wurden die geschlossenen Spalten farblich an das Gemälde angepasst.

Weil Anne Harmssen und ihre Kollegen auch andere Aufgaben haben, zog sich die Restaurierungszeit über sechs Jahre hin. „Hätten ein oder zwei Personen konzentriert an dem Gemälde gearbeitet, hätte es vielleicht nur ein Jahr gedauert“, so Harmssen. Ermöglicht wurde die aufwendige Restaurierung durch die finanzielle Unterstützung von Uta und Dr. Karl Peters. Mit seiner Kunststiftung Alte und Neue Meister fördert das Ehepaar jährlich einen Ankauf oder eine Restaurierung der MHK.

„Das Gastmahl des Belsazar“ ist eine Geschichte des Alten Testaments. Darin gibt der babylonische König Belsazar ein rauschendes Fest, bei dem er sich aus heiligen Gefäßen betrinkt, die sein Vater Nebukadnezar aus dem Tempel von Jerusalem gestohlen hat. De Grebbers Gemälde zeigt den Moment der Erzählung, an dem Gottes Hand eine geheimnisvolle Schrift an die Wand des Palastes schreibt und der König sich vor Schreck „entfärbt“. Die Fahlheit seines Gesichtes und der Schweiß auf seiner blassen Stirn sind erst durch die Restaurierung wieder erkennbar geworden.

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