HNA-Open-Air-Moderator Herbert Feuerstein übers Kasseler Programm, erotische Gelüste und eine Messe

HNA-Sommer-Open-Air: "So frisch und ungewöhnlich"

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Herbert Feuerstein

Auch in diesem Jahr lädt die HNA zum Sommer-Open-Air vor der Orangerie in Kassel ein. Am Samstag, 21. August, ab 20 Uhr gibt es auf der Karlswiese wieder ein festliches Konzert mit Picknick-Atmosphäre.

Das Staatsorchester Kassel spielt unter der Leitung von Patrik Ringborg populäre Klassik. Stargast und Moderator ist diesmal Herbert Feuerstein.

Herr Feuerstein, mögen Sie Open-Air-Konzerte?

Herbert Feuerstein: Ich habe kürzlich ein Open Air in Berlin am Gendarmenmarkt gemacht, da hatten wir Glück mit dem Wetter. Und am nächsten Tag in Trier, da hatten wir kein Glück. Da hat es uns richtig reingeregnet. Das Merkwürdige am Regen ist ja, dass er einen Geräuschschleier bildet, einen richtigen Filter. Da können die Sänger schreien, dass man die Gaumenzäpfchen schwingen sieht, die Leute in der ersten Reihe hören trotzdem nichts. Aber davon wollen wir ja gar nicht reden.

Feuerstein: Es gibt ja auch keine Ausweichmöglichkeit für so was, oder?

Nein, wenn wieder 15 000 Zuhörer kommen, kann man nirgendwohin ausweichen.

Feuerstein: Ach so groß, so wichtig ist das!

Sie sind ja nicht nur als Moderator angekündigt, sondern auch als Cembalist.

Feuerstein: Na, das ist jetzt ein bisschen übertrieben. Das ist eher ein eingebauter Gag, ich spiele ja kein Cembalo-Konzert, sondern ich spiele im Orchester das Continuo-Cembalo mit. Eigentlich sollte das eine kleine Überraschung sein. Stand das schon überall?

In unserer Zeitung, ja.

Feuerstein: Das ist mir aber peinlich. Da denkt man, dass ich weiß Gott was mache, und dann sitze ich nur am Continuo. Etwas anderes würde ich mir auch nicht zutrauen.

Jetzt sind Sie zu bescheiden. Sie haben Cembalo studiert.

Feuerstein: Ich komme aus dem Musikstudium, ja. Aber das ist fast 60 Jahre her. Und da hätte ich 60 Jahre üben müssen, oder sagen wir 55. Ich habe hauptsächlich aufgehört, Musik zu studieren, weil ich der Welt einen weiteren schlechten Musiker ersparen wollte. Man muss die Musik im aktiven Bereich ernst nehmen, da habe ich Demut und Respekt. Musik ist mit Heiterkeit zu genießen, aber nicht mit Dilettantismus zu praktizieren.

Sie haben aber auch Komposition studiert.

Feuerstein: Natürlich komponiert man als junger Mensch. Ich hab als 14-Jähriger eine Messe komponiert, die wurde auch in der Schule aufgeführt. Hauptgrund war aber, dass ich endlich mal mit den Mädchen proben konnte, weil die Schulen für Jungen und Mädchen noch getrennt waren. Es standen erotische Gelüste hinter dieser Messe. Da sehen Sie meine Musikrichtung.

Welche Musik hören Sie heute am liebsten?

Feuerstein: Alles, was gut ist. Das ist eine riesige Menge. Man hat gar nicht so viel Lebenszeit, dass man alles anhören könnte, was man möchte. Mozart ist sehr wichtig, und Barockmusik. Aber auch die Avantgarde.

Immerhin gibt es ein Avantgarde-Stück, eine Ouvertüre von Ligeti mit Autohupen.

Feuerstein: Das ist ja eigentlich mehr ein Spaß, aber ich freu’ mich, dass das drin ist. Ich finde das Programm sehr spannend, was Patrik Ringborg da zusammengestellt hat.

Manche Titel sind sehr bekannt, andere weniger. Kannten Sie die Stücke alle?

Feuerstein: Die meisten. Alfvéns „Festspel“ ist in Schweden bei Feuerwerkskonzerten fast Standard, denke ich. Auch das Addinsell-Klavierkonzert wird man sofort wiedererkennen. Man kennt den Komponisten nicht. Aber es ist durch den Film „Dangerous Moonlight“ als Warschauer Konzert bekannt, ein sehr brillantes Konzert. Die Händel-Arie „Ombra mai fú“ ist natürlich fast ein Schlager. Und wer je die englische Last Night of the Proms gesehen hat, kennt auch die British Sea Songs.

Die werden in Kassel immer zum Schluss gespielt, wenn das Feuerwerk kommt.

Feuerstein: Ach, dann muss der Pyrotechniker nicht immer eine neue Partitur lernen.

Was kennen Sie von Kassel?

Feuerstein: Natürlich die documenta. Ich glaube, das ist fast ein Bindeglied. Ringborgs Programm ist so frisch und so ungewöhnlich, dass ich mir dachte: Hey, die trauen sich bei ihrem Riesen-Freiluftkonzert ein bisschen mehr, als man sonst macht. Und das spricht ja nun sehr für Kassel.

Zur Person: Herbert Feuerstein

Herbert Feuerstein (73) stammt aus Zell am See in Österreich. Ein Musikstudium am Salzburger Mozarteum brach er ab und folgte seiner ersten Frau nach New York. 1969 kehrte er nach Europa zurück, arbeitete bei der Satirezeitschrift "Pardon" und war 20 Jahre Chefredakteur des deutschen "Mad"-Magazins. Es folgten Fernsehauftritte.

Bekannt wurde Feuerstein durch die Sendung "Schmidteinander" mit Harald Schmidt. Beim WDR moderierte er die Zwölfstundensendungen "Feuersteins Nacht". Er arbeitet als Schauspieler (so bei den Berliner Jedermann-Festspielen), Synchronsprecher sowie Moderator und als Mitglied von TV-Rateteams. Sehr gern moderiert er Konzerte. Herbert Feuerstein ist seit 1992 deutscher Staatsbürger. Er wohnt in Brühl und ist in dritter Ehe mit der Redakteurin Grit Bergmann verheiratet. (w.f.)

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