Oper mit dem Ensemble Cembaless

Frische Denkmalpflege bei den Göttinger Händel-Festspielen

Das Ensemble Cembaless steht bei den Händelfestspielen im Göttinger Kulturzentrum Musa hinter Übertragungstechnik auf der Bühne.
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Brachte bei den Göttinger Händel-Festspielen seinen ganz eigenen Sound auf die Bühne: Das Ensemble Cembaless.

Experimentierfreudig zeigten sich die Musiker von Cembaless beim digitalen Händel-Festival in Göttingen. Sie präsentierten ihre eigene Fassung der Oper „Il Floridante“ - inklusive Erzähler.

Göttingen - Es ist ein witziges, aber hochgradig ungerechtes Bonmot: „Der Klang eines Cembalos – zwei Skelette, die sich in einem Gewitter auf einem Blechdach paaren.“ So scherzte einst der britische Dirigent Sir Thomas Beecham über das barocke Tasteninstrument. Vielleicht wäre er ein Fan von Cembaless geworden. Das muntere Ensemble macht seinem Namen alle Ehre, weil es Barockmusik in einer seltenen Besetzung ohne Cembalo serviert.

Experimentierfreudig zeigte sich die Gruppe beim Online-Stream der Göttinger Händel-Festspiele. Das vorletzte Konzert des Digitalen Festivals brachte die Oper „Il Floridante“ in einer auf 90 Minuten gekürzten Fassung. Der ganz eigene Sound ergab schon aus der Besetzung: Sopran, Blockflöten, Viola da Gamba, Barockgitarre, Erzlaute, Theorbe und persische Perkussion.

Mit den pulsierenden Rhythmen der Rahmentrommel Daf und der Bechertrommel Tombak reicherte Perkussionist Syavash Rastani die neuen Arrangements an. Händel und Weltmusik: Das funktionierte zwanglos, außerdem passte das Klangbild zum orientalischen Schauplatz der Handlung.

Lebensfrohen Schwung wie zarte Streicheleinheiten bot das Ensemble. Sopranistin Elisabeth von Stritzky kostete mit anmutiger Stimme und schauspielerischem Gespür die barocke Affektsprache aus. Live beim Stream aus dem Kultur- und Veranstaltungszentrum Musa war auch Florian Wintels: Der Poetry-Slammer führte humorig durch die verzwickte Handlung und klärte auf: „Mit Oper ist gerade nicht der Großvater gemeint.“

Das war nicht alles an Auflockerung, denn mittels einer App konnte das Publikum mitmachen. Gegen Ende galt es darüber abzustimmen, wie Perserkönig Oronte zu bestrafen sei. Das launige Urteil: Der Bösewicht wurde zu Sozialstunden im Bereich der Denkmalpflege verdonnert.

Übrigens kann man Karten für die Konzerte des Digitalen Festivals erwerben, auch wenn sie bereits stattgefunden haben: Die Streams sind bis zum 20. September 2021 online.

haendel-festspiele.de

(Georg Pepl)

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