Die Bremer Fachmesse Jazzahead! punktete mit einem schlüssigen Gesamtkonzept und tollen Auftritten

Frisches Futter für die Ohren

Wirklich umwerfend: Das Trondheim Jazz Orchestra auf der Messe Jazzahead! in Bremen. Foto: Schmidt

Bremen. Es ist und bleibt eine Musikrichtung für Liebhaber. Selbst die weltweit größte Fachmesse zum Thema Jazz in Bremen zeigte sich angenehm überschaubar. Das Programm hatte es aber in sich: Etwa 500 Beteiligungen aus 31 Nationen unterstreichen die Wichtigkeit der renommierten Jazzahead! als Kommunikationsort und Marktplatz neuer Tendenzen. Die 70 die Messe flankierenden Konzerte verdeutlichen ihren Stellenwert als hochkarätiger Kulturevent im Dienste des Jazz.

An den Ständen der einzelnen Länder, CD-Labels und Agenturen fallen die aufwendigen Sampler aus dem hohen Norden auf: Norwegen etwa präsentiert in einer mustergültigen Box mit drei CDs sein Selbstbewusstsein als Jazznation. Auch Länder wie Estland und Slowenien positionieren sich mit ansprechenden musikalischen Visitenkarten auf dem europäischen Markt.

Der deutsche Jazz findet sein Forum in der „German Jazz Expo“. Hier wurden zehn repräsentative Bands ausgewählt, um sich in halbstündigen als „Showcase“ bezeichneten Kurzauftritten vorzustellen.

Die Bedingungen sind dazu bei der Jazzahead! ideal: Die Showcases finden abgetrennt vom Publikumsverkehr in ansprechenden Konzertsälen mit exzellentem Sound statt. Neben dem klassischen Klaviertrio liebäugelt der deutsche Jazz mit einer Prise Exotik, so bei Lebi Derya und ihrem famosen Kanun-Spieler Muhittin Temel, oder nimmt kreativen Kontakt zur Muttersprache auf, wie Schultzing. Hanna Jursch, die Sängerin des Sextetts, versteht sich nicht nur auf feine Vokalisen, sondern schafft mit einer in jazzige Melodiebögen gefasste Lyrik eine Art Neo-Chanson.

Als zweite Werbereihe zeigte das „European Jazz Meeting“, was es an Novitäten aus den Nachbarstaaten gibt. Als ein absolutes Highlight hierbei erwies sich das Trondheim Jazz Orchestra. Die neunköpfige Band verbindet niveauvolle Musik-Comedy mit höchst anspruchsvollen Arrangements. Liebevoll schräge Charaktere, wie einem Fellini-Film entsprungen, zelebrieren ein umwerfend komisches, aber auch brillantes Jazz-Kabarett, wirklich ein Knüller.

Schließlich wurde mit der Skoda-Clubnight der Jazz in die Stadt hineingetragen. Der bemerkenswerteste Veranstaltungsort war sicherlich das an der Schlagd vor Anker gegangene Kulturschiff MS Stubnitz. Zu DDR-Zeiten im Dienst der Hochseefischerei, bietet das beeindruckende Schiff einen Auftrittsort, der sich an diesem Abend ideal mit den klaren, aber auch experimentellen Klängen des norwegischen Quartetts Fattigfolket verband. (Ausschnitte sind unter http:// ms.stubnitz.com zu hören und sehen).

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Jazzahead! ebenso für den professionellen Veranstalter interessant ist (aus Kassel waren Markus Knierim vom Theaterstübchen und Wolfram Benczek vom Kulturzentrum Schlachthof anzutreffen), wie auch für den ambitionierten Jazzfan, der neues Futter für die Ohren sucht.

Von Hartmut Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.