Fritzi Haberlandt las ein fiktives Tagebuch von Constanze Mozart

Mit feinen Akzenten: Schauspielerin Fritzi Haberlandt bei der Lesung in Kirchbauna. Foto: Fischer

Baunatal. Constanze Mozart, geborene Weber, hat sehr zum Bedauern der Nachwelt kein Tagebuch geschrieben. Wie gern hätte man gewusst, wie die Frau an der Seite des Genies ihren Mann Wolfgang Amadeus, die Musik und die Gesellschaft der Zeit beschrieben hätte.

Jürgen Otten, Dramaturg am Kasseler Opernhaus, hat sich und den 140 Zuhörern in der Kirche von Kirchbauna ausgemalt, was im ungeschriebenen Tagebuch der Constanze hätte stehen können. Beim Kultursommer Nordhessen hieß diese Constanze Fritzi Haberlandt. Die Ost-Berliner Schauspielerin (38) spielte bei großen Theaterregisseuren wie Michael Thalheimer, Robert Wilson und Andreas Kriegenburg und war auf der Leinwand und im Fernsehen im „Tatort“, „Polizeiruf 110“, aber auch in „Liegen lernen“, „Der Mond und andere Liebhaber“ und „Eine Insel namens Udo“ zu sehen.

Wie sie am Donnerstagabend das einfühlsam erfundene Tagebuch liest, zeigt, wie sie sich auch in diese Person hineinversetzen kann wie in eine Luisa Miller oder Lulu.

Mit feinen Akzentuierungen entsteht das Bild einer Frau im Schatten eines Großen. Kennenlernen, Verliebtheit, Ehe, Kindsgeburten und Kindstode, das Leben in Saus und Braus, Geldmangel und der frühe Tod des Mannes: Alles kommt vor und zeichnet ein schönes Bild jener Frau, die ihren Wolfgang um mehr als fünfzig Jahre überlebt hat.

Die passende Mozart-Musik zum Tagebuch lieferten der Geiger Ulf Schneider und der Pianist Stephan Imorde. War Constanze vielleicht die hohe Violine über dem schillernden Fundament des Klaviers namens Wolfgang Amadé?

Die beiden Solisten, seit Jahren aufeinander eingespielt, ließen die Kunst ihres Zusammenspiels funkeln, ohne ihre hervorragenden solistischen Fähigkeiten zu vernachlässigen. Das plötzlich einbrechende Tiefe im scheinbar Leichten - in Schneider und Imorde hatte es vorzügliche Interpreten. Zudem klang dies in dem kleinen Kirchenraum sehr gut, was die fein geplante Veranstaltung des Kultursommers zum Genuss machte.

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