Fritzlar vor dem Dom: Ein Feuerwerk der Stimmen

Fritzlar. Es war eine warme Konzertnacht. Und eine lange. Erst wenige Minuten vor Mitternacht erklang das „Good night“, und die vielen Zuhörer machten sich von den voll besetzten Reihen und Tribünen neben dem Fritzlarer Dom auf den Weg nach Hause, manche noch mit einem Abstecher an die Getränkestände auf dem Vorplatz.

Das Domgelände ist sicher einer der stimmungsvollsten Plätze für Konzerte unter freiem Himmel in Nordhessen. Gleich zwei Ensembles waren eingeladen: mit den zehn Dänen von Voxnorth ein noch wenig bekanntes und mit den vier Herren des London Quartet eine weltweit bejubelte Gruppe.

Voxnorth (etwa: Nordstimme), vier Sänger, fünf Sängerinnen, ein Schlagzeuger und der fabelhafte belgische Beatboxer Roxorloops, schaffen einen üppigen Klang. Volkslieder, Rock und Pop von gestern und heute hat ihr Leiter Jim Daus Hjernøe in ziemlich komplizierte Arrangements umgeformt, die einen unverwechselbaren, wenngleich auf Dauer allerdings etwas eintönigen Stil ergeben.

Wenn es lyrischer wurde wie bei dem Lied „Min Módir“ von den Färöer, dann sprang der Funke eher über als bei rockigeren Nummern.

Nach der Pause dann englischer Humor von der besten Sorte: „We are british. I’m sorry“, sagte der Bass Michael Steffan zu Beginn. Wer erstklassige A-cappella-Musik liebt, der sei am richtigen Ort … nur am falschen Abend. In diesem Stil verlief das knapp einstündige vokale Feuerwerk. Ob „Penny Lane“ von den Beatles, „Summertime“ aus Gershwins „Porgy and Bess“ oder „Memory“ aus dem Musical „Cats“, die vier Herren sangen, spielten und moderierten so perfekt, dass Lachen und Applaus kaum zu bremsen waren.

Die Gefahr, dass die Sanitäter wegen akuter Lachkrämpfe ausrücken mussten, bestand besonders bei „Suzette“, mit dem die vier Londoner auf eine Melodie von Ernesto de Curtis zeigten, wie es um die Französischkenntnisse ihrer Landsleute bestellt ist. Auch die letzte Nummer, „Strangers in the night“ mit den Tücken einer stark angegriffenen Schellackplatte, strapazierte die Zwerchfelle noch mal kräftig. Ein grandioser Auftritt.

Von Johannes Mundry

Bilder vom Festival

Festival vor dem Dom in Fritzlar

Rubriklistenbild: © Foto: Zerhau

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