Frivolitäten im Regen: „Gefährliche Liebschaften“ bei Gandersheimer Domfestspielen

+
Überzeugende Darsteller auf der Freilichtbühne in Bad Gandersheim: Anna Preckeler als Madame de Tourvel und Dirk Schäfer als Vicomte de Valmont.

Bad Gandersheim. Die Theatermacher der Gandersheimer Domfestspiele haben aus dem Briefroman „Les Liasons Dangereuses“ von Choderlos de Laclos ein Musical gemacht, das zwar fast ohne Gesellschaftskritik auskommt, aber sehr lustig ist.

Wieder einmal hat das bei Freilichtaufführungen stets gefürchtete Wetter eingegriffen und durch einen lang anhaltenden Regen die Uraufführung des Musicals „Gefährliche Liebschaften“ am Freitag bei den Gandersheimer Domfestspielen beinahe platzen lassen.

Mit fast einstündiger Verspätung nahmen die Schauspieler den Kampf mit Nieselregen und nasser Bühne auf und lieferten eine mit Zweideutigkeiten und erotischen Frivolitäten gewürzte Aufführung, die dem regendicht verpackten Publikum viel Spaß machte.

Die Theatermacher haben sich viel vorgenommen mit dem aus dem 18. Jahrhundert stammenden Briefroman „Les Liasons Dangereuses“ von Choderlos de Laclos. Das opulente Sittengemälde des „Ancien Régime“ umfasst 175 Briefe.

Doch mit dem ganz auf Unterhaltung gerichteten Musical, bei dem man die Gesellschaftskritik kaum noch erahnen kann, haben Autoren und Team (Andreas Gäßler: Dialoge, Heiko Lippmann: Kompositionen, Christian Doll: Liedtexte und Regie, Florian Götz: Dramaturgie, Cornelia Brey: Ausstattung) den Geschmack des Publikums getroffen.

Das Stück um Macht, Verführung, Leidenschaft und Liebe wird von einer leichten, eingängigen Musik aus 22 Liedern getragen (wieder hervorragend das Festspielorchester unter der Leitung von Patricia Martin), die sich zwischen Pop und Chanson bewegen, mal mit beschwingten Walzertakten, mal sinnlich und aufreizend mit Rumba- und Tango-Rhythmen.

Das intrigante Spiel der Marquise de Merteuil mit dem Vicomte de Valmont um die Rache an einem früheren Liebhaber endet mit dem Tod Valmonts und der gesellschaftlichen Ächtung Merteuils. Doch auf der Strecke bleiben auch Cécile (wunderbar kindlich-naiv Julia Hiemer), nachdem sie von Valmont verführt wurde, und ihr jugendlicher Liebhaber Danceny (Pascal Höwing), sowie die tugendhafte Madame de Tourvel, die von Valmont erobert und dann fallengelassen wird.

Gespickt ist die Inszenierung mit vielen für Heiterkeit sorgenden Zweideutigkeiten wie dem Duett der Diener Sophie (Franziska Schuster) und Azolan (Alexander Martin) „Unten und oben“, mal gesellschaftskritisch, mal rein körperlich gedeutet.

Mit Annika Bruhns als in ihrer Macht- und Rachsucht gefesselten Marquise und Dirk Schäfer als zwischen rücksichtslosem Verführer und Liebendem schwankender Valmont wurden zwei durch ihre schauspielerischen und gesanglichen Qualitäten überzeugende Darsteller verpflichtet. Neben ihnen besticht auch Anna Preckeler als zarte, aber gradlinige Madame de Tourvel mit einer wunderbar klaren und vollen Stimme. In weiteren Rollen herrlich schräg Christine Dorner als Madame de Rosemonde und mütterlich besorgt Rebecca Simoneit-Barum als Madame de Volanges.

Bis zum Schluss flattern die vielen hin- und hergereichten, versteckten und dann gefundenen Briefe bedeutungsschwer über die Bühne, tragen schließlich den hinausgehenden Zuschauern die Worte mit dem Abendwind hinterher und lassen sie mit den letzten beschwingten Tönen des Orchesters verklingen. Ein schöner Theaterabend.

Aufführungen am 30.7., 1., 3., 5., 7., 9., 16., 21. und 24.8. Karten: 05382/73777.

Von Carmen Barann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.