Die fröhliche Seite der Trauer: Comics im Sepulkralmuseum

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Fein beobachtete Dokumentation: Felix Pestemer vor einigen seiner Zeichnungen.

Kassel. Schwarz ist hierzulande die Farbe der Trauer, und das Gedenken an Verstorbene findet meist im Stillen statt. Anders ist das beim „Dia de los Muertos“, dem mexikanischen Totenfest. Einmal im Jahr begehen die Einwohner des Landes einen farbenprächtigen Feiertag zu Ehren der Verstorbenen.

Von dieser heiter-morbiden Atmosphäre ließ sich der Berliner Zeichner Felix Pestemer zu einer einzigartigen Bildgeschichte inspirieren. Einige seiner Originalgrafiken sind derzeit im Museum für Sepulkralkultur zu sehen.

Pestemers Buch „Der Staub der Ahnen“ erinnert im Stil an einen Comic, ist aber weit mehr als das. Seine Geschichte um die Familie Rojas ist eine fein beobachtete Dokumentation der mexikanischen Tradition - mit detailreichen Bildern und Sinn für Humor. Sie zeigt, wie sich die Menschen im Diesseits auf den Tag der Toten vorbereiten. Sie schmücken Altäre mit farbenprächtigem Allerlei, auf dem Markt werden bunte Totenschädel aus Zucker verkauft. Doch auch im Jenseits wird gefeiert. Die Skelette der Ahnen tanzen und musizieren. Es ist eine ungewohnt fröhliche Darstellung des Todes, die den Glauben der Mexikaner widerspiegelt. Dort heißt es: Erst wenn sich niemand mehr an die Toten erinnert, zerfallen sie zu Staub.

„Der fröhliche Umgang mit einem Thema, das bei uns als Tabu gilt, ist faszinierend“, sagt Pestemer, der bei einem Mexiko-Aufenthalt vor zwölf Jahren zum ersten Mal mit dem Brauch des Totenfests in Berührung kam. Jahrelang recherchierte er, verbrachte 2005 sogar ein Forschungsjahr im Land. Zahlreiche Fotos, persönliche Kontakte und historische Quellen bildeten schließlich die Grundlage für seine Zeichnungen.

Die aktuelle Ausstellung zeigt deshalb nicht nur 40 Originalskizzen, sondern dokumentiert auch die Entstehung des Buches. Fotomotive, die Pestemer in Mexiko aufgenommen hat, entdeckt der Betrachter in den Szenen der Bildgeschichte wieder. Sie zeigen eine exotische Welt voller Maya-Masken, Totenschädel und liebevoller Erinnerungen.

Bis 2. Dezember, Weinbergstraße 25-27, Di - So 10 - 17 Uhr, Mi bis 20 Uhr. „Der Staub der Ahnen“, Avant-Verlag, 88 Seiten, 24,95 Euro.

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