Frohe und dankbare Gefühle:

Andres Mehne Foto: privat/nh

Kassel. Eine Rarität von Gustav Mahler stand am Beginn des Semesterabschlusskonzerts mit dem Kasseler Uni-Orchester am Freitagabend in der Martinskirche. Bei dem Sinfoniesatz „Blumine“ handelt es sich um ein Andante, das der junge Komponist für eine Schauspielmusik komponierte, das er später für seine erste Sinfonie vorsah, dann aber unzufrieden wieder zurückstellte.

Nicht ganz ohne Grund. Auch wenn man den großen Mahler heraushören kann, ist der kurze Satz zu schlicht und flach. Zudem ging das Orchester unter der Leitung des Interimsdirigenten Andres Mehne ein wenig zaghaft ans Werk. Immerhin glänzte Philipp Gatzke mit dem Trompetensolo.

Dass sinfonische Flächen auch anders gestaltet werden können, zeigte das 60-köpfige Orchester dann bei der viersätzigen Suite „Pelléas et Mélisande“ von Gabriel Fauré. Ein einheitlicher Klang entstand, der die Sentimentalität, die der Franzose kongenial zu dem Schauspiel von Maurice Maeterlinck schuf, zu feiner Glut brachte. Eine schöne Leistung, garniert mit guten Soli (Michael Brömse, Oboe, und Annette Sieben, Flöte).

Dann wartete man auf die „Pastorale“, Beethoven Sechste. Andres Mehne wusste sehr genau, wohin er wollte, dirigierte unaufgeregt und mit ruhiger Hand. Die Sätze waren klar aufgebaut, und die Musiker folgten recht gut. Das „Erwachen heiterer Gefühle bei der Ankunft auf dem Lande“ geriet luftig und rein, die darauf folgende „Szene am Bach“ beschwingt. Bald dräute das Chaos in Form eines Gewitters. Die Welt kam in Unordnung - und auch das Orchester ein wenig, nicht so viel jedoch, dass es das Wiederaufklaren des Himmels und die Entspannung der Gemüter im Finale nicht ganz auskosten konnte.

Die knapp 400 Zuhörer, viele davon aus Professoren- und Studentenschaft, klatschten mit „frohen und dankbaren Gefühlen nach dem Sturm“, wie es Beethoven über seinen letzten Satz geschrieben hatte.

Von Johannes Mundry

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