Die Kammeroper Kassel und Jacob-Grimm-Schüler zeigten ihr Programm „Kammergrimmern“

Frosch am Strand statt an der Wand

Improvisationstalent: Jill Beisheim im Programm „Kammergrimmern“. Foto: Schachtschneider

KASSEL. Ganz nebenbei machen sie große Oper, singen sich durch die Arien, lassen sie alle aufblitzen mit Stimme und Pathos. Wer rät sie? „Fidelio“ und „Carmen“, „La Boheme“ und „Cosi fan tutte“. Egal, es geht ja in „Kammergrimmern“, dieser vergnüglichen Produktion der Kammeroper Kassel, um ein Märchenimprovisationsspiel, bei dem auch das Publikum eine nicht unerhebliche Rolle spielt.

Conférencier Steve Kuberczyk-Stein gibt am Freitagabend im Saal der Kreuzkirche die Spielregeln vor: „Wir versüßen die Märchen mit Arien aus der Opernwelt, die Texte haben wir selbst geschrieben.“ In diesem Fall wird aus dem „Froschkönig“ große Oper. Der freche Frosch-Casanova von Florian Brauer (Tenor) hat einen grünen Kragen, beim zickigen Königskind von Sylvia Cordes (Sopran) baumelt ein goldenes Krönchen-Täschchen am Handgelenk, Dorothee Driefholt (Alt) gibt den Brunnen und Harald Brauer (Bass) den Königsvater.

Ein ganzer Chor unter Leitung von Thorsten Seydler schafft musikalisches Szenario. Im Arien-Mix zur Klavierbegleitung von Yevgenya Schott streiten und zicken Brauer und Cordes mit Spiellust und Witz, und schließlich landet der Frosch eben nicht an der Wand, sondern am Strand. Geschmeidige Stimmen führen zum Happy End. „Werden Sie glücklich“, singen sie alle, und das Publikum ist begeistert.

Eine gelungene, intelligente Produktion der 2007 unter anderem von Sylvia Cordes und dem Regie führenden Ede Müller gegründeten Kammeroper, die immer auch Schüler der Jacob-Grimm-Schule einbezieht.

Ein innovatives Konzept. So zappen sich die Schüler vom Kurs 13 Darstellendes Spiel an der JGS durch eine vergnügliche Grimm-Melange. Das Publikum wählt die Märchen, fünf an der Zahl, und diese werden mit viel frischer, unbekümmerter Spielfreude in Impressionen umgesetzt, moderiert vom souverän-coolen Richy Regier. Rotkäppchen im Genre-Durchlauf, als Western, als Tanztheater improvisiert, Dornröschen als Streifzug durch TV-Formate bis hin zum Ratgeber-Magazin, Aschenputtel als freche Pantomime.

Die Zuschauer schreiben Begriffe auf, die Schüler spielen: Wie kommt der Strumpfbandgürtel ins Aschenputtel? Das alles ist waghalsig komisch und heizt die Stimmung an. Schade nur, dass Regisseur Müller die Premiere aus Krankheitsgründen nicht miterleben konnte. In den letzten zwei Probenwochen sprang Tobias Krechel ein.

Von Juliane Sattler

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