Tag fünf im Dschungelcamp: Eine Hymne auf Mutti

Schlägt sich tapfer im Dschungel: Olivia Jones (rechts) macht bisher die beste Figur im Dschungelcamp.

Es ist Zeit, eine Hymne auf Olivia Jones anzustimmen. Der 43 Jahre alte Travestiekünstler Oliver Knöbel, der unter diesem Namen als „Drag Queen“ und Hamburger Kiez-Wirtin bekannt wurde, macht im Dschungelcamp die überzeugendste Figur, die reflektiertesten Bemerkungen und den souveränsten Eindruck.

An dieser 2,07 Meter großen Camp-„Mutti“ wird auf dem Weg zum Dschungel-Königsthron niemand vorbei kommen.

RTL hat aus dem Camp offenbar so viel Material, dass gestern mal eben die Sendezeit fast verdoppelt wurde. Es gäbe jetzt schon so viele Lästereien wie in einem „Best of“ der ganzen letzten fünf Staffeln, sagte Sonja Zietlow. 7,14 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 33,6 Prozent) schalteten ein. Beim RTL-Zielpublikum der 14- bis 49-Jährigen betrug er 46,7 Prozent.

Olivia Jones hatte zwei superstarke Szenen. Zuerst, als sie dem naiven Joey („Wie kann einer so doof sein?“, hatte „Spiegel Online“ schon nach der ersten Sendung gefragt) Sexualkundeunterricht gab. Der 19-Jährige „DSDS“-Vierte hatte den Unterschied zwischen Transvestit (für ihn kaum auszusprechen, „hört sich an wie ein ICE aus China“) und transsexuell nicht begriffen, Olivia erklärte alles liebevoll-geduldig. „Das is’ ja wie Mathe“, staunte Joey, „da muss man sich ja voll gut auskennen.“ Dass diese „Wrestler-Frau“ Olivia einen richtigen Penis hat, „das hat mich von den Wolken, auf denen ich geflogen bin, runtergehauen.“ Er hatte Olivia vorher gefragt: „Was ist echt an dir?“ Die, knochentrocken: „Nichts.“

Wie eine Lehrerin trat Olivia auch bei der Dschungelprüfung auf, bei der sie die unerträglich selbstbezogene Oberzicke Georgina ordentlich in den Senkel stellte: „Reiß dich mal zwei Minuten zusammen.“ Die beiden mussten bei einer Art Memory-Spiel abwechselnd lebendige Regenwürmer, Skorpione am Spieß, Schnecken ohne Haus, Käsefrucht (auch Kotzfrucht genannt), pürierte Käfer („schmeckt wie benutztes Katzenstreu“), gekochte Qualle, eine Riesenmade, eine Buschschwein-Vagina, lebende Kakerlaken und eine Königsgrille verspeisen.

Nur beim Gehirn aus gekochtem Schafskopf musste Georgina kapitulieren. „Ich hatte schon vermutet, dass sie es nicht so mit dem Hirn hat“, lästerte Moderator Daniel Hartwich, nachdem Zietlow gehofft hatte: „Vielleicht hilft’s ja auch, das Hirn.“ Was half, war Olivias strenge Motivationshilfe. „Wenn Du hier so’n Zirkus machst, bist du morgen wieder hier. Das wollen die Leute sehen.“ Georgina fing auch noch an, auf einmal über die toten Tiere zu jammern, die ihr voll leid tun, bla bla bla, und ihre Bemerkungen im Camp, sie habe schon früher alles gegeben, und „ich mach’ nie wieder ’ne Dschungelprüfung“ dürften sie vollends auch für die nächste Nominierung prädestinieren.

Es wurde gestritten wie unter Kesselflickern, hinterrücks gelästert („die hätte sich das Hirn statt der Lippen aufspritzen lassen sollen“), rückwärts gefrühstückt (wobei RTL die Geräuschkulisse übertrug) und geweint. Die Beichte des Tages stammt von Küken Joey, der diverse jugendliche Süchte eingestand. Jetzt aber hat er Gefühle „von hier unten bis ins Universum hoch“. Denn Liebe, Liebe ist ja „nicht nur ein Wort, Liebe sind Milliarden von Wörter.“ Und hoffentlich nicht so kompliziert wie Sexualkunde und Mathe.

Von Mark-Christian von Busse

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