Take That und Robbie Williams sind wieder vereint und klingen jetzt wie moderne Bee Gees

Fünf Freunde sollt ihr sein

Aus einer Boygroup wurde eine Männerband: Jason Orange (von links), Gary Barlow, Robbie Williams, Howard Donald und Mark Owen sind Take That. Foto: Universal

Um die Gegenwart zu verstehen, muss man die Vergangenheit kennen. 20 Jahre ist es her, seit der Londoner Musikmanager Nigel Martin Smith die Band Take That als Reaktion auf die US-Amerikaner New Kids On The Block zusammenstellte. Er fand: einen dicken Jungen, der Songs schreiben konnte (Gary Barlow), einen kleinen Niedlichen (Mark Owen), einen erstklassigen Tänzer (Howard Donald), einen sehr gut aussehenden Kerl (Jason Orange) und den damals mit 16 noch sehr jungen Faxenmacher (Robbie Williams).

Nach holprigem Start waren die Jungs vier Jahre später die erfolgreichste Band Europas. Die Hits wie „Pray“ hat man bis heute im Ohr. Dann, auf dem Höhepunkt des Erfolges, drehte Robbie durch, fing an zu saufen und zu koksen und wurde 1995 aus der Band befördert. Die übrigen vier machten noch ein knappes Jahr weiter und lösten sich im Februar 1996 auf. Jeder ging seines Weges, aber nur Williams wurde zum Superstar, spielte in Stadien und goss eimerweise Häme über Barlow, mit dem er noch nie gut gekonnt hatte.

Ab 2005 drehten sich die Vorzeichen um. Robbie Williams torpedierte seine Karriere, während die übrigen vier wieder auf Tour gingen und zwei erfolgreiche Platten veröffentlichten. Take That waren nun keine Boygroup mehr, sondern eine Männerband. So hätte es weitergehen können. Aber so ging es nicht weiter.

„Obwohl wir zu viert viel Freude hatten, fehlte immer ein wichtiger Teil des Puzzles“, sagt Gary Barlow. Vor einem Jahr trafen sich alle fünf in Los Angeles, wo Williams lebt. Hier versöhnten sie sich und schrieben „Progress“, das heute veröffentlicht wird. Was auf Anhieb überrascht, wenn man sich das Album anhört, ist das Tempo. Take That machen jetzt Hochgeschwindigkeitspop. Mit ihrem Produzenten Stuart Price, der schon mit den Killers gearbeitet hat, erfanden sie sich quasi neu.

„Progress“ bringt das Künststück fertig, weder nach den späten, leicht melodramatischen Take That noch nach den Solo-Robbie-Sachen zu klingen. Einzig die kraftvoll-theatralische Single „The Flood“ erinnert wirklich an das bisherige Werk. Ansonsten aber plinkert und plackert es auf dieser Platte, dass es eine wahre Freude ist. „SOS“ oder „Kidz“ sind moderne Discosongs, das von Robbie gesungene „Underground Machine“ ist beinahe dreckig, „Happy Now“ könnte auch von den Scissor Sisters, „Wait“ auch von Muse und fast alle Songs zusammen auch von Madonna stammen. Wenn die Bee Gees noch Musik machen würden, dann klänge das wahrscheinlich ungefähr so wie die zehn Stücke auf „Progress“.

Und Robbie? Wirkt dabei keineswegs wie ein eingekaufter Gaststar, der die Quote nach oben treiben soll. Sondern so, als wäre er nie weg gewesen. Der Mann fügt sich ein, und angesichts seiner unberechenbaren Natur hofft man, dass es so bleibt. „Ich schaue jeden Morgen nach, ob Rob noch immer bei uns ist“, sagte Mark Owen kürzlich.

Take That: Progress (Universal). Wertung: !!!!:

Von Steffen Rüth

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