Interview: Der Berliner Zeichner TOM über seine Comic-Strips und ein Kasseler Denkmal für ihn

„Für Blödsinn war ich immer zu haben“

Einer von TOMs Helden: „Touché“-Strip mit Raucher-Ralf. Repro: nh

Kassel. Heute bekommt der Kasseler Kulturbahnhof eine neue Attraktion: Die Caricatura enthüllt zur Museumsnacht eine Skulptur, mit dem sie dem Berliner Cartoonisten TOM ein Denkmal setzt. Wir sprachen mit dem 50-Jährigen, der eigentlich Thomas Körner heißt und dessen Strips seit fast 20 Jahren täglich in der Berliner „tageszeitung“ erscheinen.

Glückwunsch zu Ihrem Denkmal. So etwas schaffen nicht viele Comic-Zeichner.

TOM: Stimmt, das ist eine besondere Ehre. Ich selbst könnte mir ein Denkmal nicht leisten. Die Caricatura hat mir die Skulptur zum 50. Geburtstag geschenkt. Ich musste sie nur selbst entwerfen. Hergestellt hat sie jemand anders. Sie soll sehr schön sein.

Was wird denn zu sehen sein?

TOM: Das soll eine Überraschung werden. Es ist aber eine meiner Lieblingsfiguren.

Jeden Tag erscheint ein „Touché“-Strip in der „taz“. Das klingt nach Fließbandarbeit.

TOM: Wenn es Fließbandarbeit wäre, müsste ich nur die Witzideen abarbeiten, die herumliegen. Aber ich muss mir ja was einfallen lassen. Bei mir schwirrt es rund um die Uhr im Kopf herum. Das ist entweder sehr mühsam oder auch sehr einfach.

Sie haben eigentlich Politik studiert, waren schon kurz vor dem Diplom und sind erst durch einen Zufall Comic-Zeichner geworden. Sie müssen damals bereits relativ alt gewesen sein.

TOM: Ja, ich war 29, als ich mein Diplom in letzter Sekunde geschmissen habe. Ich wollte nicht Hilfsarbeiter in irgendwelchen Jobs bleiben. Ein Freund, der mit mir studiert hatte und bereits als Zeichner arbeitete, hat mir dann geraten, Cartoonist zu werden. Bis dahin hatte ich noch nichts veröffentlicht, aber ich hatte gelegentlich für mich gezeichnet - und für Blödsinn war ich schon immer zu haben.

Charakteristisch für Ihre Figuren sind die großen Nasen. Täuscht der Eindruck oder sind die mit der Zeit immer größer geworden?

TOM: Mittlerweile sind die wieder kleiner geworden.

Wovon hängt die Größe ab? Von der Wirtschaftslage?

TOM (lacht): Nein, von meinem Zeichenstil, der sich schon mal ändert. Ich lerne mit der Zeit ja auch dazu.

Ein Thema, das in den „Touché“-Strips immer wieder auftaucht, sind Nordic Walker. Das sind nicht Ihre besten Freunde, oder?

TOM: Ich laufe oft in Berliner Parks, um etwas gegen meinen liederlichen Lebenswandel zu tun. Irgendwann tauchten diese Walker mit ihren Stöcken auf. Es ist ja schön, wenn sie sich bewegen, aber das könnten sie auch ohne Stöcke, die die meisten ohnehin falsch einsetzen. Es sieht einfach doof aus.

Welche Bedeutung hat für Sie die Caricatura?

TOM: Sie ist sehr wichtig für uns Zeichner. Es freut mich, dass es einen Ort gibt, an dem Cartoons gepflegt werden. Dass deren Ansehen steigt, ist auch ein Verdienst der Caricatura.

Enthüllung des Denkmals heute, 20.45 Uhr, Rainer-Dierichs-Platz vor dem Kulturbahnhof mit Wiglaf Droste, Ralf Sotschek und TOM. Anschließend Lesung. Eine Schau mit TOMs „Witzbildchen“ ist von 12 bis 1 Uhr in der Caricatura zu sehen.

Der neue Sammelband „TOM Touché 5500“ (512 Seiten, 10 Euro) erscheint am 15. September im Achterbahn-Verlag und ist jetzt bereits in der Caricatura zu haben.

Von Matthias Lohr

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