Fulminante Musik-Show: „Sorge dich nicht, borge“

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In Bestform: Das Trio Saitensprung mit Katharina (links) und Sabine Wackernagel sowie Martin Lüker im Theaterstübchen.

Katharina und Sabine Wackernagel präsentierten mit Martin Lüker einen Robert-Gernhardt-Abend.

Kassel. Wenn man den Texten des deutschen Schriftstellers, Zeichners und Malers Robert Gernhardt (1937-2006) lauscht und dabei vergnügt schmunzeln oder lachen muss, vergisst man fast, dass es nicht selten um handfeste Gesellschaftkritik geht. Er war unter anderem Redakteur der Satirezeitschrift „Pardon“ und Mitbegründer der „Nonsensbeilage“ „Welt im Spiegel“. Um den kritischen Wert seiner Texte aber ging es am Freitag im Theaterstübchen nicht, sondern um den Unterhaltungswert.

Als die Schauspielerinnen Sabine und Katharina Wackernagel und der Pianist Martin Lüker Gernhardt aufleben ließen, konnte der Spaß größer nicht sein. Mit ihrer Weihnachtslesung „Wenn Worte reden könnten“ begeisterte ihr Trio Saitensprung die Besucher. Der Club war proppenvoll, sogar auf der Bühne wurden Stühle aufgestellt. Mutter und Tochter Wackernagel wie auch Lüker waren in Bestform. Mit den Texten von Gernhardt hatten sie die idealen Bausteine für ein fulminantes Programm. Lüker, die Haare streng nach hinten gegelt und auf der Nase eine dicke Brille, gab den pedantischen Nörgler und Besserwisser und schmetterte einige Lieder wie ein überdrehter Operettentenor. Das Publikum hatte viel Spaß an seiner schrägen Figur.

Nicht jeder bemerkte, dass Lüker nebenbei auch noch großartig Klavier spielte. Viele Lacher erntete auch bei sein gespielter Wutanfall: „Ich finde Sonette einfach so was von beschissen!“

Auch die Wackernagels begeisterten mit Timing, Gesang und Pointen. Köstlich, wie die beiden mit verstellter Stimme und viel Witz in Gernhardts Figuren schlüpften, wie sie den „Naturblues“ sangen, wie sie sich stritten und satirische Kostbarkeiten von Gernhardt aufleuchten ließen.

So zum Beispiel den „Fährmann“, „Die Falle“ - eine satirische Weihnachtsgeschichte, „Tipps für Selten-Kirchgänger“ und „Sorge dich nicht, borge“. Donnernder Applaus, Zugaben.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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