Start der Stadiontournee

Udo Lindenbergs Fulminantes Spiel auf Schalke

Veteranen unter sich: Udo Lindenberg (links) und Marius Müller Westernhagen beim Auftakt zur Stadiontournee „Keine Panik!“ in der Veltins in Gelsenkirchen. Foto: dpa

Gelsenkirchen. Udo Lindenberg hat seine „Keine-Panik"-Stadiontournee gestartet: Eine bombastische Show mit prominenten Gästen von Marius Müller-Westernhagen bis Mario Basler.

Der FC Schalke hat zuletzt selten für derartige Jubelstürme in der seiner Arena gesorgt, wie sie ein 70-jähriges Unikum in einer 180-minütigen Rock-Show der Superlative entfacht hat: Der Start zur Lindenberg-Tour „Keine Panik“ am Freitag gerät fulminant.

Nichts anderes sind die Fans von Udo gewöhnt seit dem sensationellen Comeback 2008 mit „Stark wie zwei“, und nichts anderes bekommen die 40 000 auf Schalke. „Ihr seid hier charmant und direkt, so wie ich das liebe“, sagt Udo. Deshalb macht er hier im Pott die Leinen seines Panik-Liners los: Der Auftakt mit „Odyssee“ ist wuchtig und bewährt. Das neue Stück „Einer muss den Job ja machen“ funktioniert sofort und „Mein Ding“ sowieso: Nach drei Stücken kocht das Stadion. Unfassbar.

Neu ist auch nicht, dass Lindenberg prominente Gäste, „Lindianer“ aus seinem „Clan“, dabei hat. Neu ist aber der Anlass: Udo beschenkt das Publikum – und auch sich – zum 70. Obwohl: Dieser Geburtstag sei nur ein Gerücht, wie er scherzt. Stimmt: Eigentlich ist Lindenberg viel jünger, zeitlos, dazu top-fit, rank und schlank wie nie. Verschnaufpausen nimmt er sich nur, wenn seine Clan-Freunde auf der Rampe stehen und die Arena rocken: Adel Tavil, Daniel Wirtz (singt „Cello!“), Klaus Doldinger und die Ex-WG-Kumpels aus „Hamburch“, Marius Müller-Westernhagen („Sexy“) und Otto, der zu AC/DCs „Highway to hell“ abgeht.

Udo umarmt, küsst sie – ebenso gerne, na klar, die schönen Sängerinnen, Tänzerinnen, Akrobatinnen, die sogar aus einem fliegenden Ufo klettern. Udo tänzelt, rennt und raucht. Udo singt die alten Lieder von Johnny Controletti, der Honky-Tonky-Show, Andrea Doria, dem Sonderzug und Bodo Ballermann. Eine Damenmannschaft kickt dazu auf der Bühne – gecoacht von Mario Basler.

Das passt einfach alles, ist hyperprofessionell, aber dennoch voller Knalleffekte und nie steril, ebenso wenig wie der musikalische Appell für ein buntes Deutschland und gegen die „neuen Nazis“.

Die neuen Stücke, ob „Coole Socke“ oder „Durch die schweren Zeiten“, kommen an. Beim druckvollen „Candy Jane“ fliegt Udo durchs Stadion, kehrt auf die Bühne zurück – und Schalke singt „Reeperbahn“: alles Lindianer hier, alles Gäste in der Welt des Panik-Rockers. Der steht unter einem – königsblauen – Laserlichtteppich – in seinem El Dorado. Dann geht er nach hinten, Melancholie kommt auf, dazu die Frage: Geht er etwa für immer, wie die Ikonen Bowie und Prince? Keine Panik!

Das Ende ist fern, Udo gründet just den Club der Hunderjährigen: „Wir sehen uns wieder, ich nehme Euch alle mit.“ Sagt’s, zieht den Astronautenanzug an und schwebt davon. Feuerzauber, Explosionen. Wumm! Ende. Welch’ Show, welch’ Typ. Zum Abspann, dem Schriftzug nach Star-Wars-Manier, läuft die Titelmelodie von „Der Pate“, dem Song: „Stärker als die Zeit“. Keine Frage, das ist Lindenberg. Zum Glück ist das Stadiondach zu. Womöglich würde Udo sonst tatsächlich davonschweben. Zuzutrauen wär’s ihm.

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