Internationale Künstler stellen im Temporary Home aus

Fundstücke im Müll

Gäste aus aller Welt: An der Bar herrscht jeden Tag reger Betrieb.

Kassel. „Hier ist es fast wie zu Hause. Nur dass man jeden Tag viele Gäste hat“, sagt Sven Selbert. Er gehört zum Organisationsteam des Temporary Home - einem kreativen Treffpunkt, den es seit wenigen Wochen an der Sickingenstraße gibt. Bis Mitte August ist er Wohnung und Theaterbühne, Diskussionsforum und Partyraum. Im Untergeschoss des Gebäudes ist zudem eine Ausstellung zu sehen, die ebenso vielseitig ist wie das internationale Publikum.

Das wohl auffälligste Kunstwerk ist eine Installation aus Raufaser-Tapete. Das Material löst sich von der Wand und bahnt sich den Weg durch den Raum. Wie eine große, weiße Welle scheint die Tapete ein Eigenleben zu entwickeln, und je nach Blickwinkel ergeben sich interessante Formen.

„Ich arbeite gern mit Materialien, die einen Imageverlust erlitten haben und als altmodisch gelten“, sagt Künstlerin Lisa Tiemann. So wirkt die Raufaser-Tapete in ihrem Werk ungewöhnlich innovativ. Das gilt auch für die Keramik-Skulpturen, die an einem großen Metallhaken wie ein schwereloses, sich windendes Band wirken.

Auf dem Betonboden hat der Mexikaner Arturo Hernández Alcazar eine Art Farbkreis aus Fundstücken gelegt. Im Umfeld des Temporary Home hat er das Material dafür gesammelt. Holzlatten, Türklinken, Plastikdeckel - Müll, der durch die Verwendung in einem Kunstwerk wieder einen Wert bekommt.

Gegensätzliche Lebenswege dokumentiert die Französin Gaëlle Boucand. Eines ihrer Videos zeigt einen Mann, der anscheinend alles erreicht hat. Auf seinem großen, herrschaftlichen Anwesen erzählt er von seinem Alltag - und wirkt doch einsam und verbittert. Ein anderer Film begleitet einen jungen Mann, der in der Partyszene unterwegs ist. Umgeben von Freunden, lauter Musik und Drogen. Boucand zeigt zwei Lebenseinstellungen, verzichtet aber bewusst auf jegliche Wertung.

Ebenfalls zu sehen sind Werke von Maximilian Rödel (abstrakte Malerei), Patrick Fabian Panetta (Installation) und Erik Smith (Dokumentarfotografie).

Bis 11.8., Temporary Home, Sickingenstr. 7-9, an Wochentagen (Dienstag Ruhetag) 15 bis 23 Uhr, Sa/So 13 bis 23 Uhr.

Von Pamela De Filippo

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