Der große Kabarettist Georg Schramm in Vellmar

Die Furunkel am Gesäß des Bösen

Zielsicher: Georg Schramm als Sozialdemokrat. Foto: Fischer

Vellmar. Wie gut Georg Schramm beim Vellmarer Festival Sommer im Park war, hat man nicht nur daran gesehen, dass die fast 1000 Zuschauer im ausverkauften Zelt vor Begeisterung rasten. Noch deutlicher wurde die Klasse des Kabarettisten, als es still war. Und mit still ist hier mucksmäuschenstill gemeint.

Als Oberstleutnant Sanftleben erörterte der 62-Jährige, der selbst einst Zeitsoldat war, am Beispiel des Massakers von Srebrenica die Frage, ob es sinnvolles Blutvergießen gibt. Schramm erzählte von 8000 toten Bosniern und meinte, ein Eingreifen der Bundeswehr wäre angesichts der deutschen Geschichte auf dem Balkan „militärische Humanität als tätige Reue“ gewesen. Bei solchen Sätzen muss man stumm schlucken.

Das Publikum muss auch schlucken, als eine Zuschauerin mit einer Kreislaufschwäche zusammenbricht. Es geht ihr bald besser, aber durch die Notarztpause dauert der Abend von acht bis halb zwölf. Schramm, der einst den „Scheibenwischer“ am Leben hielt und Quotengarant im ZDF war, hat so viel zu erzählen.

Auch seine anderen Charaktere aus „Meister Yodas Ende“, der Frankfurter Sozialdemokrat August und der unverbesserliche Rentner Dombrowski, werden von dem studierten Psychologen fein gezeichnet. Es geht um Ängste vor dem Alter, um Afghanistan, das im Sauerland verteidigt wird, wie die Taliban zu sagen pflegen, sowie um Merkel und Co., die von Schramms Figuren verachtet werden: „Die sind ein Furunkel am Gesäß des Bösen.“

Auf den Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann würde der verbitterte SPD-Anhänger August am liebsten mit seinem Gewehr schießen. Schramm fährt gern schweres Geschütz auf. Bei einem Auftritt vor wenigen Wochen witzelte er so böse über die Union, dass ein CDU-Politiker ihm nachher den Handschlag verweigerte. In Vellmar waren alle hingerissen. Schramm erkannte sogar „ein Hauch von Sportpalast-Atmosphäre“. Auch da musste man schlucken.

Sommer im Park heute, 20 Uhr: Michael Kobr und Volker Klüpfel (Kommissar Kluftinger).

Von Matthias Lohr

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