Kluge kleine Sätze, die nachwirken

Gänsehaut-Gefühle zum Start: Seven eröffnete die Kasseler Kulturzelt-Saison

Auftritt voller Energie: Der Schweizer Sänger Seven trat am Freitag und Samstag im Kulturzelt auf und eröffnete die Saison. Foto: Fischer

Kassel. Wenn der Auftakt des Kasseler Kulturzeltes ein Gradmesser dafür ist, wie die Konzertsaison an der Drahtbrücke läuft, dann ist nach dem Konzert von Seven am Freitag klar: Sie wird fast komplett durchgetanzt.

Einen vollen Rucksack habe er mit nach Kassel gebracht, sagte der Soulsänger beim ersten von zwei Auftritten und packte den musikalischen Inhalt aus. Sieben Dinge, die Seven im Gepäck hatte:

1. Funk und Soul

Der Sound klingt warm und voll. Funkiness entfaltet sich in den luftig groovenden Songs. Dazu smoother Soul, lässiger Pop, etwas HipHop und elektronische Klänge. Es gibt wuchtige Rhythmen, die bei dem anderthalbstündigen Auftritt kaum an Intensität nachlassen und das Publikum einnehmen – es wird getanzt, gehüpft, geklatscht und mitgesungen.

2. Stimme

Trotz der teils hymnischer Arrangements bleibt viel Platz für den Sänger Jan Dettwyler – so heißt der Schweizer eigentlich. Seine Stimme erinnert mal an Prince, mal an Justin Timberlake, auch an den jungen Michael Jackson. Vor allem aber klingt sie nach einem Sänger, dem es gelingt, sein großes Stimmvolumen auszureizen. Einer, bei dem jeder Ton da sitzt, wo er hingehört – was bei so energiegeladenen Auftritten nicht selbstverständlich ist.

3. Band

Seven verschafft jedem Musiker seiner siebenköpfigen Band Freiraum. Durch die Soli wird der Gesamteindruck veredelt. Herausragend das Zusammenspiel von Alex Hendriksen (Saxofon) und Lukas Thoeni (Trompete). Beide Bläser grooven gut gelaunt.

4. Neue und Alte Songs

Nicht alles neu, aber einiges anders: Seit 2002 veröffentlicht Seven Alben, und deshalb hat er auch ältere Songs wie „City Of Gold“ und „Go Slow“ dabei. Letzteren hatte er in der TV-Show „Sing meinen Song“ im Duett mit Xavier Naidoo gesungen. Mitgebracht hat er auch Stücke seines Albums „4 Colors“ (erscheint am 7. Juli), für das er 120 Tage im Studio war. Sie sind ebenfalls soulig, dynamisch. Aber darunter ist auch Konfektionsware wie „Trick“ – Soul- und Popstandard. Beachtlich ist, dass es ihm gelingt, das Korsett der Gute-Laune-Erfolgsformel aufzulockern – mit Nachdenklichem. „Wenn wir traurig sind, jemanden vermissen, Schmerz verspüren, das sind die Momente, in denen wir alle gleich sind“, sagt er und stimmt „Thank You Pain“ an. Und bei „Don’t Help Me“ singt er davon, dass es in schweren Zeiten die größte Hilfe ist, wenn jemand für einen da ist. Das Publikum hört schweigend und mit geschlossenen Augen zu – Gänsehautmoment.

5. Botschaft

Er will eine Botschaft unter die Leute bringen: „Menschen sind wir“, heißt der Song, der entstand, nachdem er Hasskommentare gegen Flüchtlingskinder im Internet gelesen hatte. „An den Grenzen hört ihr auf zu fühlen“, heißt es im Song. Es sind die klugen kleinen Sätze, die nachwirken.

6. Energie

„Kassel, schön, wieder hier zu sein.“ Immer wieder bezieht er die Stadt und die Menschen mit ein. Das kommt an. Soul-Sänger und energiegelandener Entertainer ist Seven, der von sich behauptet, eine Rampensau zu sein. Stimmt.

7. Humor

Er geht auf Zwischenrufe ein und feixt: „Sie hat gesagt, sie will das lange Set. Ich habe verstanden, sie will was Langes sehen“, sagt er und lacht. Das kommt beim Publikum an.

Ein stimmungsvoller, grooviger Start in die Kulturzelt-Saison, so kann es weitergehen. Am Mittwoch packt Wincent Weiss seinen musikalischen Rucksack in Kassel aus.

Karten beim HNA-Kartenservice: Tel. 0561 / 203 204.

www.kulturzelt-kassel.de

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