Galerie Coucou in Kassel: Bonbonbunte Melancholie

Robert Sturmhoevel

Kassel. Der Kasseler Kunstpreisträger Robert Sturmhoevel, ehemaliger Meisterschüler an der Kunsthochschule, stellt in der Galerie Coucou aus.

Kassel. Es sei seine bisher persönlichste Ausstellung, sagt Robert Sturmhoevel über die aktuelle Schau in der Galerie Coucou. Erstmals gibt der Künstler einen Einblick in seine Arbeitsweise. Auszüge aus seinen Skizzenbüchern dokumentieren eindrucksvoll den Weg von der Idee zum fertigen Werk.

Ein nostalgisches Kinderkarussell bildet das Zentrum. Das Objekt weckt Erinnerungen an unbeschwerte Jahrmarktbesuche, doch auf den zweiten Blick weicht das wohlige Gefühl einem Unbehagen. Eine Hälfte des Karussells ist eingedrückt und mit einer dunklen Patina überzogen. Fast scheint es, als zerfalle es vor den Augen des Betrachters.

Diese Doppeldeutigkeit, die Ambivalenz zwischen bonbonbunten Kindheitserinnerungen und düsteren Abgründen, der Wechsel von Vertrautem und Überraschendem ist typisch für Sturmhoevels narrativ angelegte Arbeiten. „Ich möchte den Betrachter auf einer emotionalen Ebene ansprechen“, sagt der gebürtige Berliner, der unter anderem bei Prof. Alf Schuler und Florian Slotawa an der Kunsthochschule studiert hat. Mit Spielzeug-Motiven, die dank einer ausgefeilten Maltechnik höchst plastisch wirken, gelingt das hervorragend. So sieht ein Stehauf-Clown seltsam melancholisch aus, niedliche Puppengesichter scheinen sich im Nichts zu verlieren.

In einer Serie widmet sich der ehemalige Meisterschüler von Johannes Spehr Dingen, die unbeachtet auf dem Boden liegen. Bunte Eislöffel, eine zerknautschte Clownsnase, Spielzeugautos. „In den Bildern nehme ich die Perspektive eines Kindes ein“, erklärt der 32-Jährige. Denn was auf dem Boden liegt, werde von Erwachsenen oft kaum wahrgenommen. Kinder hingegen entdeckten dort ständig etwas Neues.

Unscheinbare Dinge zu überhöhten Motiven machen: Auch darum geht es dem Träger des Kasseler Kunstpreises der Dr.-Wolfgang-Zippel-Stiftung 2015. Das gilt insbesondere für seine Serie „Dots“, bei der er Pinselstriche mit dokumentarischer Sorgfalt „porträtiert“. Dafür trägt er die Farbe zunächst mit einem dicken Pinsel auf, um sie anschließend behutsam wieder abzulösen. Auf diese Weise wird der Pinselstrich selbst zum farbenfrohen Objekt. Eine wunderbar paradoxe Idee.

Bis 27. Mai, Elfbuchenstr. 20, Di - Fr 16 bis 19 Uhr.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.