Galerie Ulrike Petschelt: Marlon Middeke erinnert an seinen documenta-Sommer

Marlon Middeke

Kassel. Im Schaufenster der Galerie Ulrike Petschelt liegen eine schmutzige Jeans und Schuhe mit einer dicken Erdkruste. Drinnen flimmern auf Monitoren Videos von Pflanzen, an der Wand lehnt ein Baumstamm, ein Häufchen Sand wurde auf den Boden geschüttet. Der Besucher betritt den Innenraum durch die Tür, die zu Marlon Middekes Hütte in der Karlsaue gehört hatte.

Den Sommer 2012 hat Middeke dort auf einem fußballfeldgroßen Areal verbracht. Mit den Windhunden Human und Senor war der 24-jährige Kasseler Teil des documenta-Kunstwerks „Untilled“ von Pierre Huyghe. Huyghe hatte einen surrealistischen Park aus lebenden und toten Dingen aufgebaut. Middeke betreute darin die beiden Windhunde - einer mit rosafarbener Pfote - und konnte sich bei Regen in eine Hütte zurückziehen. Mit seiner Installation „outside“ gewährt Marlon Middeke jetzt einen ganz persönlichen Einblick in seinen documenta-Sommer.

Der Kasseler hatte von dem französischen Künstler den Auftrag bekommen, den Kunstschaubesuchern keine Auskünfte zu geben und keine Fragen zu beantworten. Das fiel Middeke nicht immer leicht.

Marlon Middeke

Das Gefühl, die ganze Zeit draußen gewesen zu sein, bestimmt Middekes Erinnerung. In seiner Installation zeigt er Aufzeichnungen, Videos und Fotos, die während der hundert documenta-Tage entstanden sind. „Zwischendurch habe ich gedacht: Ich blas das Ding ab. Ich war nervlich fertig“, sagt Marlon Middeke. Die Fragen und Blicke der Besucher sowie die ständige Anwesenheit auf dem Gelände waren schwieriger zu ertragen, als er sich das vorgestellt hatte.

Die documenta habe ihn verändert, sagt Middeke. Nicht nur, dass er Human und Senor behalten hat. Er hat sein Umweltingenieurwesen-Studium endgültig abgebrochen, geht im Sommer für ein Kunstprojekt vier Monate nach Paris und will ab dem nächsten Jahr Freie Kunst an einer Kunsthochschule studieren.

„outside“, Galerie Ulrike Petschelt, Frankfurter Str. 62. Bis 23. Juni, Di, Do und Sa von 16 bis 19 Uhr sowie n. V., Tel. 0160/97500051. Samstags liest Marlon Middeke aus seinen Aufzeichnungen.

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