Gandersheimer Domfestspiele: „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ als Musical

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Inmitten der italienischen Großfamilie: Ulf Schmitt als Jan (vorn) muss immer mehr Speisen probieren.

Bad Gandersheim. Einen italienischen Sommerabend hat man wegen des Regens und der Kälte eigentlich nicht erwartet. Doch das Ensemble der Gandersheimer Domfestspiele zauberte in der Uraufführung der Bühnenfassung von „Maria, ihm schmeckt’s nicht“ eine Atmosphäre purer Lebensfreude vor das Domportal, sodass sich selbst die in Plastik gehüllten Zuschauer unter der Sonne wähnten, auch wenn diese nur künstlich aus Scheinwerfern kam.

Das Domportal ist schon fast Kulisse genug, doch Cornelia Brey hat mit wenigen Mitteln noch wirkungsvolle Akzente gesetzt: Ein einzelner Sessel ist mal Schlaf-, mal Wohnzimmer oder Auto, ein paar einfache Tische und Plastikstühle sind Italien. Und als Running Gag durchs Stück fungiert eine immer weitergereichte rote Topfgeranie mal als Blumenstrauß beim Heiratsantrag, als Vorgartenpflanze oder Grabschmuck.

Zehn Jahre nach der Veröffentlichung von Jan Weilers Erfolgsroman und vier Jahre nach dem gleichnamigen Kinofilm wagten sich Heiko Lippmann (Musik), Max Merker (Dialoge) und Festspielintendant Christian Doll (Liedtexte) an eine Fassung für die Bühne. Herausgekommen ist ein zweistündiges Musical, das sehens- und hörenswert von allen Darstellern, von Tobias Rott (Regie), Daniel Vollstedt (Dramaturgie) und Patricia Martin (musikalische Leitung der Band) umgesetzt worden ist und neben Buch und Film eine durchaus gleichwertige Version darstellt.

Jan (Ulf Schmitt) möchte Sara (Tabea Scholz) aus Krefeld heiraten. Vater Antonio (Hans-Jörg Frey) besteht darauf, dass der zukünftige Schwiegersohn zuvor die Familie im fernen Italien kennenlernt. Jan erlebt einen wahren Kulturschock, denn in Campobasso regiert „la familia“ das quirlige Leben und damit auch über ihn.

Auch wenn stark mit Klischees von den ewig lauten, lustigen und den immer kochenden Italienern gearbeitet wird, gleitet die mit viel Gesang, Tanz und witzigen Dialogen angereicherte Inszenierung nicht ins Platte ab. Verhindert wird dies besonders durch ein paar leisere Szenen, wie etwa der, als Antonios jüngeres Ich (Johannes Kiesler mit tänzerischer Eleganz) von der eigenen Einsamkeit und vom Fremdsein erzählt.

Diese, doch auch andere beinahe skurrile Szenen machen den besonderen Charme der Darbietung aus. So zeigt Christine Dorner als Nonna (Oma), äußerlich klein, zart und gebrechlich, beim Zusammenbrauen eines Liebeselixiers ganz lasziv und frivol, wie viel Lebenslust noch in einer alten Dame stecken kann.

Nass vom Regen und durchgefroren spendeten die Zuschauer begeistert heißen Applaus.

Aufführungen: 2., 4., 7., 10., 14., 16., 19., 21., 25. und 27.7., Kartentelefon: 05382 / 73-777.

Von Carmen Barann

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