Gang in die Unterwelt:

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Tanz-, Schauspiel- und Musikperformance: Der dritte Teil von „logos: orfeo“, „Durchquerung“, von Thorsten Teubl und Matthieu Götz in der Martinskirche. Hier einige der zahlreichen Mitwirkenden. Foto: Zgoll

Kassel. Gespenstisch mutet die Szenerie an, die die Besucher schon beim Betreten der Martinskirche in den Bann zieht. Dicke Nebelschwaden füllen den nur spärlich illuminierten Kirchenraum. Unscharf sind Gestalten auszumachen, die im Altarbereich, aber auch überall auf den Gängen stehen. Ihre Körper zucken, winden sich, ihre Blicke gehen ins Leere. Ein tiefer, dunkler Ton strömt beständig aus den Boxen. Eine unheimliche Atmosphäre. Der dritte Teil des Tanztheaterzyklus „logos: orfeo“ hat begonnen.

Im Juli 2013 hatten der erste und zweite Teil dieses Tanz-oratoriums auf dem Kasseler Königsplatz Uraufführung. Unschwer zu erraten, worum es geht. Um „Orpheus und Eurydike“, eine der berühmtesten Sagen aus der griechischen Mythologie. Und um eine der traurigsten: Orpheus, der für seinen wunderschönen Gesang bekannt war, stieg in die Unterwelt, um seine über alles geliebte Ehefrau und Nymphe Eurydike aus dem Totenreich zurückzuholen.

Seine Kunst war so groß, dass er den Gott Hades dazu bewegen konnte, ihm seine Geliebte wiederzugeben. Unter einer Bedingung: Beim Aufstieg in die Oberwelt sollte sich Orpheus nicht umdrehen. Er tat es dennoch - Eurydike verschwand wieder in der Unterwelt.

Das integrative Tanzkollektiv „Labyrinthos“, eine Zusammenarbeit von professionellen Tänzern und Laien, Musikern, Sängerinnen und Sängern unterschiedlichsten Alters und Herkunft, faszinierte diese ergreifende, archetypische Geschichte von Liebe und Tod. Die Inszenierung faszinierte ebenfalls.

Schwere dunkle Bilder (Regie: Matthieu Götz/Thorsten Teubl) und durchgehend diffuses Licht schufen eine bedrückend intensive Atmosphäre. Bespielt wurde der gesamte Kirchenraum. Hervorragende Tanzsolisten, der kreative Einsatz der zahlreichen Laiendarsteller, ausdrucksvoll intonierte klassische Musik (Gesang, Cello, Geige, Trompete, Orgel) - es passte alles.

Die etwa 100 Besucher wurden am Sonntagabend nicht nur Zeuge einer Tragödie, sie wurden selbst Teil der Unterwelt und einer Geschichte, die sie unmittelbar umgab und tief berührte. Am Ende gab es Riesenapplaus für die rund 60 Mitwirkenden.

Von Steve Kuberczyk-Stein

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