Neu im Kino: Hochspannung mit Robert Redford im dialoglosen Schiffbruchsdrama „All is lost“

Ganz allein gegen die hohe See

Noch läuft alles nach Plan: Robert Redford als Skipper an Bord seines Segelboots. Foto:  Verleih

Ein Mann, ein Boot – mehr braucht es nicht für ein absolut packendes Drama. Vorausgesetzt, ein cleverer Regisseur reizt raffiniert die dramaturgischen Möglichkeiten eines Ein-Personen-Stücks aus. Und den verzweifelten Helden gibt ein Charismatiker wie Robert Redford. Wie die 76-jährige Kino-Ikone im Drama „All is lost“ behände auf den schwankenden Mast klettert oder in die tobende See geschleudert wird, könnte manchen Stuntman neidisch machen. Der alte Mann und das Meer bieten wasserdichte Hochspannung der hochkarätigen Art.

Seinen Segelausflug hatte sich der namenlose Held sicher etwas erholsamer vorgestellt. Während eines Schläfchens rammt ein herrenlos treibender Container die Jacht. Mit reichlich Mühe, Einfallsreichtum und viel Geschick kann der Skipper das Leck notdürftig flicken. Die Kabine wird jedoch knietief geflutet, die gesamte Elektronik ist verloren. Zu allem Übel ziehen am Horizont Gewitterwolken auf. Der heftige Sturm peitscht die manövrierunfähige „Virginia Jean“ wie eine Nussschale durch die Wellen.

Der erfahrene Seemann gibt jedoch nicht auf. Er macht seine aufblasbare Rettungsinsel klar, mit den letzten Vorräten, einer Karte sowie einem Sextanten verlässt er das sinkende Schiff. Die altmodische Navigation per Hand und Sternen muss zwar erst per Lehrbuch noch geübt werden, auch die Wassergewinnung bedarf physikalischer Tricks. Wie immer fällt diesem findigen Helden ein cleverer Ausweg ein - doch mit jeder Lösung scheinen zwei neue Probleme zu entstehen.

Auf den ersten Blick mag das Schiffbrüchigen-Drama an „Life of Pi“, nur ohne Tiger und Magie, erinnern. Tatsächlich handelt es sich mehr um einen Survival-Thriller im Stil von „127 Hours“ von Danny Boyle. Wie James Franco in der Felsspalte gibt auch Redford auf See jenen souveränen Helden in größter Not, der alles richtig macht. Und der dennoch dem Schicksal ausgeliefert scheint. Mit diesen Typen fiebert man gern mit. Und verzweifelt ebenso, wenn der perfekte Plan wieder einmal scheitert. Wie auf kleinstem Raum größte Spannung entsteht, hat Boyle bravourös bewiesen. Ähnlich überzeugend inszeniert J. C. Chandors nun sein Ein-Personen-Kammerspiel. Er dreht die dramaturgische Schraube sogar weiter und verzichtet auf Dialoge. Alles an Emotionen, jede Hoffnung und Enttäuschung, muss Redford mit Mimik und Körpersprache vermitteln. Das gelingt der Leinwand-Legende mit atemberaubender Präzision. Da gibt es kein Getue. Redford zieht alle Register und bietet eine seiner besten Leistungen.

Genre: Drama

Altersfreigabe: ab 12

Wertung: !!!!!

www.hna.de/kino

Von Dieter Osswald

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