Ganz nah dran: Pur begeisterten Fans in der Kasseler Stadthalle

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Zog alle Register: Pur-Frontmann Hartmut Engler.

Kassel. Wenn bei einem Konzert das Publikum klatscht und jubelt, die Texte mitsingt und Geschenke an die Band verteilt, darf man da noch etwas kritisieren? Wie heißt es so schön bei Kurt Tucholsky: Dürfen darf man alles.

Und selbst auf die Gefahr hin, das die Fans Kommentare und Blogs abschmeißen wie mittelalterliche Wurfgeschosse auf widerspenstige Rumnörgler, sei mal die andere Seite der Medaille erwähnt.

Erstmal die gute Nachricht: Pur feiern ihr 30. Bühnenjubiläum mit einer Akustik-Tour in mittelgroßen Hallen und lassen die Menschen ganz nah ran an das Bühnengeschehen. Bei ihrem Auftritt in der fast vollen Kasseler Stadthalle zog Frontmann Hartmut Engler alle Register, hinterließ dabei aber nicht immer den Eindruck, als ob der Sinngehalt eine Rolle spielen müsste.

Der Einmarsch der Band mit aufgespannten Regenschirmen durch den Nebeneingang kam ja noch ganz witzig. Im Laufe des Abends entwickelte Engler abseits des Musikprogramms jedoch merkwürdige Ambitionen, im Comedy-Genre zu punkten. Mit Limericks, Wortspielen (zum Beispiel die Doppelbedeutung von Stuhlgang) und klischeehaftem Aktionismus lackierte er die Show auf lustig und sorgte so für ein seichtes Komplettangebot, nach dem Motto: Was soll auf die Pizza, damit sie allen schmeckt?

Mehr Musiker als Entertainer, das würde Engler gut stehen, denn die Songs, die Band und seine Stimme stehen für Qualität. Wenn sich Pur auch in den vergangenen Jahre eher selbst kopierten, statt sich weiter zu entwickeln, gibt ihr Gesamtwerk doch einiges her. Viele haben Lieder wie „Abenteuerland“ und „Indianer“ auf der ersten Seite ihres Gefühls-Katechismus stehen, und bei „Funkelperlenaugen“ seufzten die weiblichen Zuhörer sehnsüchtig in sich hinein. Das waren die großen Momente, wo die Halle bebte. Wo die Kraft der Erinnerung das ritualisierte Konzertverhalten dominierte und man spürte, dass diese Band deutsche Popgeschichte geschrieben hat.

Egal, ob man die leicht sozialkritischen Texte als kommerziellen Schachzug oder als authentisch einsortiert - sie haben definitiv mit den inhaltlichen Totalschäden in der Schlagerbranche nichts zu tun. Fazit: Es war ein Konzert mit musikalischen Höhepunkten und einigen dramaturgischen Tiefpunkten. Doch atmosphärisch vergab das Publikum die Höchstnote.

Fotos: Leser trafen die Band

Katja und Tanja aus Vellmar trafen vor der Stadthalle alle Mitglieder der Band und sind begeistert: Wir "quatschen mit ihnen, bekamen Autogramme und machten Fotos. So nah, so toll, so normal und doch so verrückt!!!" Die beiden Leserinnen haben uns einige Bilder geschickt.

Konzert in Kassel: PUR-Fans treffen die Band

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