Ganz normaler Wahnsinn: Die Band AnnenMayKantereit

Begannen als Straßenmusiker: Die Kölner (von links) Henning May (24), Severin Kantereit (23), Malte Huck (22) und Christopher Annen.

Aus Straßenmusikern wurden Klick-Millionäre bei Youtube: Die Kölner Band AnnenMayKantereit gilt als Sensation. Dabei erscheint erst jetzt ihr Debütalbum. Auf dem machen sie nichts falsch.

Bislang hatte die Kölner Band AnnenMayKantereit noch kein richtiges Album veröffentlicht, aber in Kassel gibt es schon ein Duo, das ausschließlich ihre Lieder covert. Es heißt Finn + One und beweist damit, dass AnnenMayKantereit tatsächlich das nächste ganz große Ding im deutschen Rock sein könnten.

Normalerweise verneigen sich Cover-Bands nur vor Mega-Acts wie Rammstein, aber die Geschichte der „Beatles aus Köln“ ist ja auch nicht normal. Nun veröffentlichen Sänger Henning May (24), Schlagzeuger Severin Kantereit (23), Gitarrist Christopher Annen (25) und Bassist Malte Huck (22) ihr Debüt „Alles Nix Konkretes“.

Die Band 

Drei der vier Musiker kennen sich bereits vom Gymnasium im Kölner Stadtteil Sülz. Ihre ersten Auftritte absolvierten sie als Straßenmusiker in ihrer Heimatstadt. Dann luden sie ihre Lieder bei Youtube hoch und veröffentlichten ihr Mini-Album „Wird schon irgendwie gehen“.

Und wie es geht. Allein der Song „Oft gefragt“, den May als Liebeserklärung für seinen Vater schrieb, hat fast neun Millionen Klicks. Für ihren Auftritt im vorigen August im Kasseler Kulturzelt gab es doppelt so viele Kartenanfragen wie Tickets. Und auch ihre nun beginnende Tournee ist längst restlos ausverkauft.

Der Name 

Benannt haben sich die Musiker ganz schlicht nach ihren Nachnamen. Dabei ist aus dem Trio schon 2014 ein Quartett geworden, als Bassist Huck dazustieß. Trotzdem sei es nie eine Frage gewesen, sich nun AnnenMayKantereitHuck zu nennen, wie das jüngste Band-Mitglied versichert: „Unser Bandname ist eine Art Kunstbegriff.“ Den vergisst man nicht so leicht.

Das Album 

Auch für ihr erstes Album haben AMK, wie sie genannt werden, einen ungewöhnlichen Titel gewählt: „Alles Nix Konkretes“ ist ein Zitat aus dem Lied „Es geht mir gut“, hat wie der Bandname 17 Buchstaben und ist eine große Untertreibung. Denn mit den zwölf Songs setzen AnnenMayKantereit ihren Mix aus Rock, Blues, Jazz und Element-of-Crime-Schlichtheit sehr konkret fort.  Das live in den legendären Berliner Hansa-Studios aufgenommene Album bietet Schrammelfolk, Sentimentales wie das schon sieben Jahre alte „Barfuß am Klavier“, viel Melancholie wie in der Single „Pocahontas“, aber auch eine angepisste Punk-Attitüde wie in „21, 22, 23“. Im Zentrum steht immer Mays raue Wahnsinnsstimme, von der man nicht glauben kann, dass sie einem schlanken jungen Mann gehört und nicht etwa Tom Waits oder Rio Reiser.  „Alles Nix Konkretes“ ist gut, aber nicht die Sensation, die alle erwartet haben. Vielleicht ist das auch gar nicht möglich, weil AnnenMayKantereit längst selbst eine Sensation sind.

Die Freunde

Vorigen August sang May mit Clemens Rehbein vom Kasseler Duo Milky Chance das Police-Cover „Roxanne“. Das Video wurde im Internet ein Hit. Fotos: Raclet/nh

Der Hype um die Band erinnert an das Kasseler Pop-Duo Milky Chance, mit dem die Rheinländer vorigen Sommer den fast 40 Jahre alten Police-Hit „Roxanne“ coverten. Das in den Ruinen der Kulturfabrik Salzmann aufgenommene Video hat mehr als vier Millionen Klicks. Und die Musiker sind Freunde geworden. „Das sind coole Typen“, sagt Huck über die Nordhessen.

Die Kritik 

Bislang konnten sich so gut wie alle auf AMK einigen, nun aber melden sich Kritiker, die die Musik langweilig und die Texte zu kuschelig finden, weil May etwa in der Fernbeziehungsballade „3. Stock“ von einer Altbauwohnung träumt („Zwei Zimmer, Küche, Bad und ’nen kleinen Balkon“.) Wo bleibe die Rebellion, fragen die Feuilleton-Spießer. Huck hat darauf die passende Antwort: „Vielleicht ist es auch eine Art Rebellion, nicht rebellisch zu sein.“ „Alles Nix Konkretes“ könnte jedenfalls das Lieblingsalbum vieler 20-Jähriger und ihrer Eltern werden.

AnnenMayKantereit: Alles Nix Konkretes (Vertigo/Universal).

Wertung: vier von fünf Sternen

Video: Die aktuelle Single "Pocahontas"

Video: Das Police-Cover „Roxanne“

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