„You Are So Me“ mit Retro-Jazz im tif

Ganz in Weiß mit Saxofon

Kassel. Das Lustigste beim Konzert des Trios „You Are So Me“ war sicherlich die Jazz-uniform: Als putzige Saubermänner im weißen Schneekostüm traten Jan Klare, Oliver Siegel und Simon Camatta an, um ihr in Kneipen und Schrebergärten erprobtes Spielkonzept in Kassel auszuleben.

Vergnüglich auch die ersten zehn Minuten im tif, in denen Oliver Siegel auf seinem schicken roten Nord-Electro mit erbärmlichem Farfisa-Sound eine zickige Mischung aus Kirmesmusik und irgendwie Jazz zauberte, die von Simon Camattas Schlagzeug kräftig unterfüttert und von Jan Klares Saxofon überstrahlt wurde.

Hier geben sich Frank Zappa und Helge Schneider die Hände, aber leider hält dieser arg konstruierte und nach Notat gespielte Humor nicht lange, und der Abend wird in erster Linie von immer wiederkehrenden Heimorgel-Akkorden bestimmt, die sich zu Brachialrhythmen türmen.

Im starken Kontrast dazu stehend Floating Parts mit Glöckchengerassel, Synthesizerfiepen und schnellen Saxofonlinien, die abstrakt bleiben. Das wäre vor gut dreißig Jahren aufregend gewesen, heute erscheint es wie ein merkwürdiger Retro-Stil.

Musik für Stummfilme

Interessant, dass Jan Klare, der mit seinem wohlklingenden Bass-Saxofon einen Überraschungsgast dabei hatte, auch Stummfilme vertont. Hier, im Zusammenklang mit einem bewegten Bild, könnte die Musik entscheidend an Stimmigkeit und Attraktivität gewinnen.

Pur genossen erreicht diese Musik die Hörer, an diesem Abend waren es knapp 40, nur bedingt. Trotzdem herzlicher Applaus der auch für unbequeme Konzerte aufgeschlossenen Jazzfans.

Von Hartmut Schmidt

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