Victor Bailey glänzte beim Göttinger Jazzfestival

Ein ganzer Abend zum Staunen

Rasantes Spiel: Bassist Victor Bailey. Foto: Angerstein

Göttingen. Mit einem abwechslungsreichen Programm wartete das Göttinger Jazzfestival im Deutschen Theater auch dieses Jahr wieder auf. Schon der Auftakt am Freitag mit dem Günter Baby Sommer Quartett war gelungen. Schlagzeuger Sommer, einst ein wichtiger Devisenbringer der DDR, hatte mit Manfred Schoof (Trompete, Flügelhorn), Gianluigi Trovesi (Bassklarinette) und Barre Phillips (Kontrabass) drei versierte Instrumentalisten dabei, die zwar verhalten begannen, aber keineswegs zum alten Eisen gehören.

Mit exzellentem Spiel und manchmal diebischer Freude an der Dissonanz ließen sie vergessen, dass vier schon etwas ältere Herren auf der Bühne standen. Der Jazz wirkte wie ein Jungbrunnen.

Weiter ging es in klassischer Trio-Besetzung mit dem Rita Marcotulli Trio. Marcotulli am Flügel, der grandiose Palle Danielsson am Kontrabass und Roberto Gatto am Schlagzeug verzauberten das Publikum. Lyrische, dahingetupfte Impressionen, die zum Träumen anregten und an Aufnahmen großer Klaviertrios wie Bill Evans im „Village Vanguard“ oder Michel Petrucchiani in Tokio erinnerten. Sehr schön. Nur schade, dass sie anscheinend vergessen hatten, eine CD mitzubringen.

Daran hatte Victor Bailey schon gedacht. Nicht ohne Grund, er wolle ja die deutsche Wirtschaft unterstützen, schließlich habe er bei einem deutschen Label veröffentlicht, wie er verschmitzt erklärte. Und dann legte Bailey, Bassist bei mehr als 1000 Plattenaufnahmen, los und das Publikum die Ohren an. In atemberaubender Geschwindigkeit flitzten die Finger über das Griffbrett des E-Basses, geslappt wurde wie wild und dazu noch gesungen. Angesichts dieser Performance konnte man nur staunen.

Und mit Charles „Poogie“ Bell (Schlagzeug), Peter Horvath (Keyboards) und Casey Benjamin (Saxophon) hatte er auch Leute dabei, die seiner Dynamik, dem Tempo und dem Druck von Bailey gewachsen waren. „Ich spiele nicht Bass, ich mache Musik“, sagte Bailey, der auch fleißig komponiert und arrangiert, einmal über sich selbst, und das tat er dann auch, mit voller Seele. Stanley Clarke und Jaco Pastorius, den er einst beim legendären Weather Report ersetzte, ließen grüßen. Nach Baileys rasantem Auftritt konnte man rastlos bespielt und restlos befriedigt nach Hause gehen.

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