Gast im Kulturzelt: Austropop-Sensation Wanda im Interview

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Mit Austropop, Italo-Schmalz und Rock wurden Wanda aus Wien zur Band der Stunde. Sänger Marco Michael Wanda ist eine Rampensau wie aus dem Bilderbuch. Ein Interview mit den Aufsteigern.

Vorigen Sommer kannte die österreichische Band Wanda noch niemand. Doch dann lief zum ersten Mal „Bologna“ im Radio, eine unwiderstehliche Mischung aus Austropop, Italo-Schmalz und Rock. Seit sechs Monaten hat das Wiener Quintett kein Konzert gespielt, das nicht ausverkauft gewesen wäre. In den Texten von Sänger Marco Michael Wanda geht es um das Leben, den Tod, Saufen und viel „Amore“, wie auch das tolle Debütalbum heißt. Wir sprachen mit dem 27-Jährigen, der mit seiner Band am 29. Juli im Kasseler Kulturzelt gastiert.

Ihr Bandkollege hat gesagt, der Erfolg von Wanda sei so, als würden fünf jugendliche Freunde eine Bank ausrauben. Wie hat er das gemeint? 

Marco Michael Wanda: Wir sind sehr unbedarft an die Sache gegangen und haben uns wenig Stress gemacht. Das meinte er. Es ging uns immer mehr um die Ehre als um Geld oder Charts. Jetzt sind wir innerhalb von zwei Monaten Musiker geworden im Sinn eines Berufs. Das ist unglaublich.

Hits wie „Bologna“ kann man schon beim ersten Hören mitsingen. Wanda klingen nach Austropop, Schlager und Rock’n’Roll. Was machen Sie eigentlich für Musik? 

Wanda: Wir nennen es Popmusik mit Amore. Es ist Popmusik und für ein großes Publikum gedacht. Vom Pathos und von der Struktur sind die Lieder an italienische Popmusik angelehnt. Und wir können auch mit dem Verweis auf den Austropop und Künstler wie Wolfgang Ambros gut leben. Vor allem in Österreich, wo man erwartet, dass wir uns darauf berufen. In Deutschland würde ich es zu unserem marktwirtschaftlichen Vorteil eher deutschsprachige Popmusik nennen. Wir reden ja relativ akzentfreies Deutsch, habe ich das Gefühl.

In der Tat. Ich verstehe Sie sehr gut. In Ihren Texten geht es oft um die Liebe. Was können wir bei Ihnen noch über die Liebe lernen? 

Wanda: Das muss jeder selbst herausfinden. Wir verdichten gelebtes Leben zu Wahrheiten über Leben, Liebe und Tod. Wir kommen sehr aus dem Leben. Aber es wäre vermessen, wenn ein 40-Jähriger von mir etwas über die Liebe lernen will. Ich bin 27 und in der Liebe nicht der geschickteste Mensch.

Stimmt es, dass Sie beim Schreiben der Songs nur Beatles und Falco gehört haben? 

Wanda: Ja, und ein bisschen The Clash. Außerdem haben wir sehr viel Musik aus der Jukebox gehört, weil wir sehr oft in Wettcafés saufen waren.

Ich dachte, Sie hätten Ihr Leben vor allem in Kaffeehäusern und Kneipen verbracht. 

Wanda: In Wien gibt es nur zwei Lebensweisen: Entweder man geht in teure Clubs oder hippe Lokale oder man geht in die andere Kategorie, wo das einfache Volk sitzt. Das sind häufig Kneipen, wo Spielautomaten herumstehen. Da fühlen wir uns wohler.

Was haben Sie sonst vor Ihrer Zeit mit Wanda gemacht? 

Wanda: Wir sind alle viel gereist, haben Liebesbeziehungen in den Sand gesetzt und versucht, ein gutes Leben zu führen. Uns ging es nicht um gesellschaftlichen Aufstieg. Wir wollten etwas machen, das wichtig ist für andere.

Hatten Sie ein bestimmtes Berufsziel? 

Wanda: Nein, ich bin jahrelang herumgetrampt. Ich habe in Kairo und Wien gelebt und lag Whiskey trinkend auf der Couch, weil ich wusste, dass ich eines Tages berühmt werde. Studiert habe ich ganz viel: Philosophie, Soziologie, Publizistik, Anthropologie, Kulturwissenschaft und Sprachkunst. Ich wollte nie irgendetwas arbeiten. Es war klar, dass es etwas Künstlerisches sein sollte. Aber mir blieb nur die Musik, weil ich sonst nix kann.

Wobei Kunst auch Arbeit ist. 

Wanda: Ja, das lerne ich jetzt. Den Rock’n’Roll gibt es nicht mehr im Privatleben, sondern nur noch auf der Bühne.

Wie sind Sie auf die wilde Wanda gekommen, Wiens einzige Zuhälterin der 70er-Jahre, nach der Sie die Band und sich selbst benannt haben? 

Wanda: Es hat uns fasziniert, dass sie als Frau in einer männlichen Domäne überlebt hat. Damals haben wir uns selbst als Außenseiter verstanden und wollten uns unbedingt nach einem Außenseiter benennen.

Nun sind Sie keine Außenseiter mehr. Wie ist es, im Mainstream angekommen zu sein? 

Wanda: Es ist ein schönes Gefühl. Wir freuen uns. Es geht uns gut. Keiner ist drogensüchtig, niemand schlägt seine Frau.

Das neue Album soll schon im Oktober fertig sein. Eigentlich kann es für Wanda jetzt nur noch bergab gehen, oder? 

Wanda: Es wird vielleicht nicht besser als das erste Album, aber es wird wesentlich erfolgreicher werden. Wir wissen jetzt, was wir machen.

Wanda spielen am 29. Juli im Kasseler Kulturzelt. Tickets ab 21. März beim HNA-Kartenservice, 0561/203-204.

Mitglieder:  Marco Michael Wanda (vorn, Gesang), Manuel Christoph Poppe (Gitarre), Christian Hummer (Keyboard), Ray Weber (Bass), Lukas Hasitschka (Schlagzeug) Gegründet: 2011 in Wien Album: „Amore“ ist bei Problembär Records erschienen. Privates: Sänger Marco Michael Wanda (27) hat sich nach der Band benannt („Es gibt bessere Künstlernamen, aber immerhin“). Zuletzt lebte er auf dem Sofa des Keyboarders, nun hat er eine eigene Wohnung. Hobbys: Whiskey und „Frauen fische

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